„Jetzt geh. Und behalt dein Spielzeug. Ich brauche es nicht mehr.“ — sagte sie ruhig und trat ihm so nah, dass er ihrem Blick nicht ausweichen konnte

Erbärmlich, wie seine Überheblichkeit ihn vernichtete.
Geschichten

Als Karoline Neumann ihm die Schachtel reichte, in schlichtes graues Papier gewickelt und ohne jede Schleife, verspürte er zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht dieses gehässige Triumphgefühl, sondern ein dumpfes Unbehagen. Etwas an ihrer Gelassenheit wirkte falsch. Der Rücken zu gerade, der Blick zu fest, zu gesammelt. So empfängt man keinen Ehemann, der von einer angeblichen „Dienstreise“ heimkehrt, während er dort skrupellos das Bett einer anderen geteilt hat.

„Mach es auf“, sagte sie leise, beinahe sanft.

Er verzog spöttisch den Mund und nahm an, sie versuche wieder einmal, Versöhnung zu spielen. In seinem Kopf war das Bild bereits klar: eine schwangere Puppe, die er gleich hervorholen und demonstrativ auf den Tisch stellen würde – als Beweis für ihr angebliches Versagen. Er sah förmlich, wie Karoline erbleichte, wie ihre Lippen zitterten.

Doch nichts lief wie erwartet.

In der Schachtel lag kein Geschenk, sondern eine einfache Kartonmappe. Nüchtern, unscheinbar, ohne jede Inszenierung. Seine Stirn legte sich in Falten.

„Und das soll was sein? Altpapier?“, höhnte er.

„Blätter weiter“, entgegnete Karoline ruhig und trat einen Schritt zurück.

Zunächst überflog er die Seiten achtlos. Dann stockte er. Laborwerte. Gutachten. Stempel. Und ein Name – seiner.

„Was für ein Unsinn ist das?“, presste er hervor, seine Stimme klang plötzlich rau.

„Kein Unsinn“, sagte sie beherrscht. „Eine Klinik für Reproduktionsmedizin. Du glaubst doch an Fakten, oder?“

Ein eisiger Schauer kroch ihm vom Magen bis in den Hals. Schwarz auf weiß stand dort: „Azoospermie. Biologische Vaterschaft ausgeschlossen.“

„Das… das kann nicht stimmen“, flüsterte er und klammerte sich an die Kante der Kommode.

Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte Karoline wirklich. Doch in diesem Lächeln lag keine Freude, nur Müdigkeit und spürbare Erleichterung.

„Doch. Es stimmt. Ich habe mich dreimal untersuchen lassen. Bei verschiedenen Ärzten. Du hingegen kein einziges Mal – weil Männer angeblich immer sicher sein können.“

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