…der Antrag selbst war von einer Absurdität, die im Saal beinahe greifbar wurde. Dominik Beck verlangte die Anerkennung eines Anspruchs auf die Hälfte der Wohnung. Seine Begründung: Während der Ehe habe er angeblich „nicht trennbare Modernisierungen vorgenommen, die den Wert der Immobilie erheblich gesteigert hätten“. Anschließend folgte die Aufzählung dieser sogenannten Investitionen: ein einzelnes Regal im Badezimmer, der Austausch der Armatur in der Küche, das Überstreichen einer Wohnzimmerwand und – mit besonderem Ernst vorgetragen – die Tatsache, dass er „regelmäßig die Nebenkosten bezahlt und damit zum Erhalt der Wohnung beigetragen“ habe.
Als der Anwalt geendet hatte, hob die Richterin den Kopf. Sie war bereits älter, ihre Gesichtszüge wirkten müde, aber aufmerksam. Ihr Blick richtete sich auf Katharina Lang.
— Wie lautet Ihre Stellungnahme?
Katharina erhob sich. Sie sprach nicht über Gefühle, nicht über Enttäuschung oder Verrat. Sie wählte die Sprache, in der sie sicher war: die Sprache der Fakten.
— Hohes Gericht — begann sie ruhig, ohne jede Nervosität. — Die Klage meines ehemaligen Ehemanns entbehrt vollständig jeder rechtlichen Grundlage. Die Wohnung befand sich bereits vor der Eheschließung in meinem alleinigen Eigentum, was eindeutig aus dem Grundbuch hervorgeht.
Sie legte die entsprechende Urkunde vor.
— Was die angeblich „nicht trennbaren Renovierungen“ betrifft — fuhr sie fort und schob weitere Unterlagen nach —, hier finden Sie die Nachweise. Der Kassenbon für das erwähnte Badezimmerregal: Kaufpreis 80 Euro. Hier die Rechnung des Sanitärbetriebs, den ich beauftragen musste, nachdem mein Ex-Mann „den Wasserhahn reparieren wollte“ und dabei einen Wasserschaden verursacht hat, der die darunterliegende Wohnung betraf. Die Schadenssumme belief sich auf 5.000 Euro und wurde vollständig von mir aus meinem Einkommen beglichen. Und hier sind die Fotos der Wohnzimmerwand, die er „renoviert“ hat — mit Farbnasen, Streifen und Lackspuren auf dem Parkett. In der Folge war ich gezwungen, eine Fachfirma für die komplette Sanierung des Raumes zu engagieren.
Ein Dokument nach dem anderen wanderte auf den Tisch der Richterin.
— Und was die Nebenkosten angeht… — ein kurzes, beinahe ironisches Lächeln huschte über ihr Gesicht. — Hier sind meine Kontoauszüge der letzten zehn Jahre. Daraus geht hervor, dass rund neunzig Prozent aller laufenden Kosten von mir getragen wurden. Und hier die Auszüge meines ehemaligen Mannes. Wie Sie sehen, investierte er im gleichen Zeitraum ausgesprochen „engagiert“ in hochwertige Angelausrüstung, teure Angelreisen und diverse technische Spielereien.
Katharina setzte sich wieder. Im Saal herrschte Stille. Der Anwalt von Dominik Beck verzog verärgert das Gesicht und sah seinen Mandanten scharf an. Dominik selbst war kreidebleich. Seine Vorstellung von einer „fairen“ Aufteilung hatte sich soeben in aller Öffentlichkeit aufgelöst.
— Vor diesem Hintergrund — schloss Katharina und wandte sich erneut an die Richterin — sehe ich nicht nur keinerlei Grundlage für einen Anspruch meines ehemaligen Mannes auf mein Eigentum. Vielmehr ließe sich argumentieren, dass über die Jahre hinweg eine erhebliche finanzielle Forderung seinerseits mir gegenüber entstanden ist. Im Unterschied zu ihm werde ich jedoch keine Rechnung für die Vergangenheit aufmachen. Ich bitte das Gericht lediglich darum, das geltende Recht anzuwenden.
Die Entscheidung fiel nach wenigen Minuten. Die Klage von Dominik Beck wurde in allen Punkten abgewiesen.
Auf dem Flur holte er sie ein.
— Du… — zischte er. — Du hast mich ruiniert. Öffentlich bloßgestellt.
— Nein, Dominik — sagte Katharina und sah ihn ein letztes Mal an. Ohne Zorn, ohne Hass. Mit kühler, distanzierter Klarheit. — Das hast du selbst getan. In dem Moment, als du beschlossen hast, meine Liebe und mein Zuhause wie eine Ware zu behandeln, die man aufteilen kann.
Sie wandte sich ab und ging den langen, hallenden Gerichtsflur entlang. Kein Blick zurück. Sie wusste, dass vor ihr ein neues, freies Leben lag — in ihrem eigenen Zuhause, das sie sich von der Vergangenheit zurückerobert hatte. Und in diesem Leben würde es keinen Platz mehr geben für Menschen, die glauben, Anspruch auf fremdes Eigentum zu haben.
