«Ich habe dir zehn Jahre meines Lebens geopfert!» — schrie er aufgebracht im Café und beanspruchte die Hälfte der Wohnung

Dreister Anspruch, erbärmlich und zutiefst verachtenswert.
Geschichten

Und nun, da Dominik Beck beschlossen hatte, dieses Kapitel seines Lebens zu schließen und zum nächsten „Projekt“ überzugehen, erschien er, um sich den sogenannten Restwert auszahlen zu lassen. Er verlangte eine Art „goldenen Fallschirm“ als Entschädigung dafür, dass er zehn Jahre lang ihr Ehemann gewesen war.

Vielleicht saß sie fast eine Stunde auf der Parkbank. Der Regen wurde dichter, doch sie nahm ihn kaum wahr. In ihrem Kopf wich das wirre Geflecht aus Schmerz, Kränkung und Wut allmählich etwas völlig anderem: nüchterner, kontrollierter Klarheit. Sie war schließlich Juristin. Und sie begriff, dass dieser Krieg nicht auf dem Feld der Gefühle entschieden werden durfte – dort hatte Dominik sie stets mühelos in Schuldgefühle verstrickt. Diese Auseinandersetzung musste auf ein Terrain verlagert werden, das ihm fremd war: in die Welt der Paragraphen, der belegbaren Fakten und der unwiderlegbaren Beweise.

Kaum hatte sie ihre Wohnung betreten, griff sie als Erstes zum Telefon und rief den Anwalt an, der ihre Scheidung begleitete.

— Friedrich Schulz, guten Tag. Hier ist Katharina Lang. Es gibt eine neue Entwicklung. Mein Ex-Mann erhebt Anspruch auf die Hälfte meiner Wohnung, die ich bereits vor der Ehe besessen habe.

Am anderen Ende der Leitung herrschte für einen Moment Schweigen.

— Auf welcher Grundlage? — fragte der Anwalt schließlich.

— Er beruft sich auf sein „Gewissen“ und darauf, dass er angeblich fest mit diesem Anteil gerechnet habe — antwortete Katharina, und zum ersten Mal lag hörbare Ironie in ihrer Stimme.

— Verstehe — seufzte Schulz. — Stellen Sie sich auf einen schmutzigen Kampf ein. Juristisch hat er keine Chance, also wird er versuchen, Sie psychologisch zu zermürben.

Er sollte recht behalten. Schon am nächsten Tag begann die Offensive. Zuerst meldete sich Dominik selbst. Er hatte den Ton gewechselt. Keine Vorwürfe mehr, keine Wutausbrüche. Stattdessen setzte er auf Mitleid.

— Katharina, gestern bin ich zu weit gegangen. Ich war aufgebracht. Aber versuch mich zu verstehen, ich bin verzweifelt. Mir ist nichts geblieben. Und du … du lebst im Überfluss. Hast du denn kein bisschen Mitgefühl? Wir sind doch keine Fremden.

Katharina antwortete nicht. Sie legte kommentarlos auf. Keine Stunde später klingelte erneut das Telefon — diesmal war es seine Mutter.

— Katharinchen, Liebes, wie kannst du nur? — schluchzte sie ins Telefon. — Dominik hat mir alles erzählt! Du setzt ihn mit einem Koffer vor die Tür! Er ist dir doch nicht fremd! Er hat seine ganze Seele in diese Wohnung gesteckt! Er hat dort sogar ein Regal angebracht! …

„Das Regal.“ Dieses eine Regal wurde zum Symbol seiner angeblich „untrennbaren Investitionen“.

Ruhig und sachlich erklärte Katharina ihrer ehemaligen Schwiegermutter, dass die Wohnung ihr persönliches Eigentum sei und dass Dominik die Familie freiwillig verlassen habe.

— Du bist herzlos! — fällte die Frau ihr Urteil und knallte den Hörer auf.

Danach verlagerte sich der Angriff in die sozialen Netzwerke. Dominik veröffentlichte Beiträge voller vager Formulierungen, die für den gemeinsamen Bekanntenkreis jedoch glasklar zu entschlüsseln waren. „Es ist erschreckend, wie schnell Liebe vergeht und man plötzlich auf der Straße steht, als hätte es all das Gute nie gegeben“, schrieb er. Oder: „Manche Menschen messen Beziehungen offenbar in Quadratmetern.“

Es war systematische, gezielte Belästigung. Er wollte Katharinas Ruf zerstören, sie als kaltes Ungeheuer darstellen, damit seine angeblich „gerechte“ Forderung nach der Hälfte der Wohnung moralisch legitim wirkte.

Katharina schwieg. Auf Anraten ihres Anwalts sicherte sie alles, fertigte Screenshots von jedem einzelnen Beitrag an. Und sie bereitete sich vor. Sie holte sämtliche finanziellen Unterlagen aus zehn Jahren Ehe hervor. Eine schlaflose Woche lang arbeitete sie an der detailliertesten Aufstellung ihres Lebens. Es war keine bloße Tabelle. Es war die Chronik ihrer Ehe, festgehalten in Zahlen.

Der Gerichtstermin wurde auf zwei Monate später angesetzt. Bis dahin lebte sie wie in einer belagerten Festung. Doch Aufgeben kam nicht infrage.

Im Gerichtssaal saß Dominik ihr gegenüber, flankiert von seinem Anwalt. Er wirkte selbstsicher, beinahe überlegen. Sein Vertreter erhob sich und begann, die Klageschrift zu verlesen.

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