«Ich besitze ein eigenes Unternehmen, das mir monatlich rund anderthalb Millionen Euro Reingewinn bringt.» — enthüllt sie kühl, während Konrad kreidebleich zurückweicht

Unverschämte Demütigung trifft verdiente, befreiende Wut.
Geschichten

…nach dem geheimen Rezept deiner Großmutter, das angeblich nur eine einzige Konditorei in Moskau beherrscht. Und weißt du was? Offenbar ist das alles egal, solange deine empfindliche Schwester einen eigenen Chauffeur braucht?

— Hör auf mit dem Drama. Dann stornieren wir eben die Reservierung und feiern zu Hause, ganz ruhig, im Kreis der Familie.

— Im Kreis der Familie? Du meinst mit deiner Mutter und deiner Schwester?

— Natürlich. Sie gehören doch zur Familie.

— Und ich?

— Du auch, selbstverständlich. Stell dich nicht so an, sei nicht eifersüchtig.

— Ich bin nicht eifersüchtig. Ich gehe.

Helena drehte sich ohne ein weiteres Wort um, ging ins Schlafzimmer und zog einen großen Lederkoffer unter dem Bett hervor.

— Was soll das? Helena, hör auf! — Konrad folgte ihr hastig.

— Ich fahre zu meinen Eltern nach Starnberg. Feier deinen Geburtstag mit deiner Mutter und deiner Schwester. Sie werden sich bestimmt köstlich amüsieren.

— Helena, jetzt reicht es! Stell den Koffer sofort weg!

— Nein.

Mit schnellen, geübten Bewegungen packte sie nur das Nötigste ein. Konrad blieb wie angewurzelt im Türrahmen stehen, unfähig zu begreifen, dass das gerade wirklich geschah.

— Meinst du das ernst? Wegen so einer Lappalie?

— Wenn für dich vier Jahre voller Demütigungen eine Lappalie sind, dann ja — todernst.

— Wohin willst du überhaupt? Du hast doch kaum eigenes Geld!

Helena hielt inne und wandte sich langsam zu ihm um. Ihr Blick war ruhig, fast kühl.

— Ich besitze ein eigenes Unternehmen, das mir monatlich rund anderthalb Millionen Euro Reingewinn bringt. Ich habe eine Eigentumswohnung, die ich vermiete. Außerdem verfüge ich über Ersparnisse, die ich nie in unseren gemeinsamen Haushalt eingebracht habe — genau deshalb, weil deine Mutter ständig andeutete, ich hätte es nur auf euer Geld abgesehen. Du brauchst dir also wirklich keine Sorgen um mich zu machen.

Konrad wurde kreidebleich.

— Anderthalb Millionen? Aber du hast doch gesagt…

— Ich habe gesagt, dass es gut läuft. Mehr wolltest du nie wissen. Für dich und deine Mutter war es bequemer, mich als bemitleidenswerte „Blumenverkäuferin“ abzustempeln.

In diesem Moment begann Konrads Handy zu vibrieren. Auf dem Display erschien: „Mama“.

— Geh ruhig ran — sagte Helena müde. — Lass deine Mutter nicht warten.

Wie ferngesteuert nahm Konrad den Anruf an und schaltete auf Lautsprecher.

— KONRAD! Ist dieses Miststück schon angekommen?! Ich verlange, dass sie sich SOFORT bei Stella entschuldigt! Und bei mir gleich mit! Andernfalls schmeißt du sie aus der Wohnung!

— Mama, ich rufe dich später zurück…

— WAG ES NICHT, aufzulegen! Du musst dieser frechen Person endlich zeigen, wo ihr Platz ist! Du bist der Mann im Haus! So ein Verhalten dulde ich in meiner Familie nicht!

Helena schnappte sich den Koffer und ging entschlossen zur Tür.

— Helena, warte!

— Richte Adelaide Koch aus — sagte sie, hielt einen Moment inne, während sie die Tür öffnete — es hat funktioniert. Ich gehe.

Die Tür fiel leise ins Schloss, doch für Konrad klang es wie ein Donnerschlag.

— Konrad? KONRAD! Hörst du mir überhaupt zu?! — kreischte Adelaide Koch aus dem Telefon.

Er legte wortlos auf und ließ sich schwer auf das Sofa sinken.

Der nächste Tag — sein Geburtstag — verwandelte sich in einen einzigen Albtraum. Helena ging nicht ans Telefon, egal wie oft er es versuchte. Im Restaurant „Marseille“ wartete Zoe Schwarz und teilte ihm mit kühler Professionalität mit, dass die Geburtstagsfeier auf Wunsch des Jubilars abgesagt worden sei.

— Aber ich habe doch nichts abgesagt…

— Ihre Mutter hat gestern beim Administrator angerufen und erklärt, dass im kleinen Familienkreis gefeiert wird. Die Anzahlung wird auf Helenas Karte zurücküberwiesen.

Die Gäste, die Helena eingeladen hatte, meldeten sich einer nach dem anderen, um zu gratulieren — und fragten irritiert, warum der Abend nicht stattfand. Besonders enttäuscht war Anton Albrecht, Konrads Freund aus Kindertagen, den Helena mühsam über soziale Netzwerke ausfindig gemacht hatte. Er war eigens aus Hamburg angereist.

Zu Hause warteten Adelaide Koch und Stella Wagner bereits. Auf dem Tisch standen eine billige Torte aus dem Supermarkt und eine Flasche günstiger Sekt.

— Alles Gute zum Geburtstag, mein Junge! Siehst du, wir kümmern uns um dich. Nicht so wie diese undankbare Frau.

— Mama, was ist das? — fragte Konrad und deutete auf den traurigen Kuchen.

— Ein Festessen! Stella hat ihn ausgesucht, nicht wahr, Schatz? — säuselte Adelaide, doch ihre Stimme klang falsch und aufgesetzt.

— Wo ist Helena? — fragte Stella und sah sich um.

— Sie ist zu ihren Eltern gefahren. Wegen euch.

— Und das ist auch gut so! — rief die Mutter begeistert. — Solche hysterischen Frauen brauchen wir hier nicht! Du findest schon eine bessere Ehefrau. Aus guter Familie. Mit Mitgift.

— Mama, Helena stammt ebenfalls aus einer guten Familie. Und sie ist sehr erfolgreich.

— Ach bitte! Ein paar Blümchen verkaufen! Das soll ein Geschäft sein?

— Ihr Studio gehört zu den gefragtesten in Dortmund. Sie hat feste Verträge mit großen Hotels und Restaurants. Sie hat sogar die Hochzeit des stellvertretenden Oberbürgermeisters ausgerichtet.

Adelaide Koch presste die Lippen zusammen.

— Trotzdem. Ihr Charakter ist unerträglich. Immer diese Überheblichkeit.

Konrad sah erst seine Mutter an, dann seine Schwester. Zum ersten Mal nahm er klar wahr, was er all die Jahre verdrängt hatte: die kleinliche Boshaftigkeit, den Neid, die ständige Giftigkeit.

— Wisst ihr was? Geht nach Hause. Ich möchte allein sein.

— Aber mein Junge, es ist doch dein Geburtstag!

— GEHT. NACH. HAUSE.

Beleidigt zogen Adelaide und Stella ab.

Konrad blieb allein in der stillen Wohnung zurück. Auf dem kleinen Tisch im Flur lagen Flugtickets — Helena hatte sie gekauft, eine Reise nach Italien, sein Geburtstagsgeschenk. Jetzt wirkten sie wie ein grausamer Scherz des Schicksals.

Eine Woche verging. Helena kam nicht zurück und reagierte weiterhin auf keine Anrufe. Über ihre Freundinnen versuchte er, etwas zu erfahren, doch sie teilten ihm nur kühl mit, dass es ihr gut gehe und sie darum bitte, in Ruhe gelassen zu werden.

Auch beruflich begannen sich Probleme abzuzeichnen. Es stellte sich heraus, dass mehrere wichtige Kunden nur deshalb zur Firma gekommen waren, weil sie von Helenas Geschäftspartnern empfohlen worden waren. Nun begannen diese Kunden zu zweifeln — „wenn jemand nicht einmal in seiner eigenen Familie Ordnung halten kann, wie soll man ihm millionenschwere Verträge anvertrauen?“

Adelaide Koch rief ihn inzwischen täglich dutzendfach an und verlangte, dass unverzüglich die Scheidung eingeleitet werde.

— Wir müssen dieser Schlange zuvorkommen! Sie will bestimmt die Hälfte des Vermögens einklagen!

— Mama, die Wohnung läuft auf uns beide. Sie hat das Recht auf…

Fortsetzung des Artikels

LebensKlüber