«Ich besitze ein eigenes Unternehmen, das mir monatlich rund anderthalb Millionen Euro Reingewinn bringt.» — enthüllt sie kühl, während Konrad kreidebleich zurückweicht

Unverschämte Demütigung trifft verdiente, befreiende Wut.
Geschichten

Bitte. Ich sitze noch mindestens drei Stunden in Meetings, danach steht ein Geschäftsessen mit Partnern an. Nimm Stella am Flughafen in Empfang, bring sie nach Hause, und damit hat es sich. Das ist wirklich keine große Sache.

— Und dass ich seit einem halben Jahr deinen Geburtstag vorbereite, zählt also gar nichts?

— Helena, hör auf damit. Ich bin erschöpft, die Verhandlungen heute waren die Hölle. Wir reden darüber, wenn ich zurück bin.

Ohne sich zu verabschieden, beendete Konrad das Gespräch.

Helena starrte auf das schwarze Display ihres Handys. In ihr brodelten Kränkung und Zorn so heftig, dass sie am liebsten geschrien hätte. Stattdessen wählte sie eine andere Nummer.

— Zoe, hallo… kannst du vorbeikommen? Ich brauche dich dringend.

Eine halbe Stunde später saß Zoe Schwarz, ihre engste Freundin und Miteigentümerin des Blumenstudios, mit einer Tasse Tee in Helenas Küche und hörte sich den wirren, emotionalen Bericht an, ohne sie zu unterbrechen.

— Was für ein Idiot, — stieß Zoe schließlich aus. — Entschuldige die Wortwahl, aber deine Schwiegermutter ist eine echte Hexe. Und Konrad… na ja, ein Paradebeispiel für Muttersöhnchen.

— Was soll ich denn tun? Wenn ich nicht fahre, gibt es einen Skandal, den das ganze Haus mitbekommt. Adelaide Koch macht mir dann die Hölle heiß.

— Und wenn du fährst, lernt diese Familie nur eins: dass man dich wie einen Fußabtreter behandeln darf. Weißt du was? Ich habe da eine Idee.

Zoe griff nach ihrem Handy und tippte hastig.

— Was hast du vor?

— Ich schreibe unserem Anwalt Theo. Erinnerst du dich? Er hat doch erzählt, dass sein Bruder eine Transportfirma besitzt. Wir regeln das jetzt auf unsere Art.

Keine Stunde später stand der Plan. Mit düsterer Entschlossenheit packte Helena ihre Sachen und machte sich auf den Weg zum Flughafen. Allein durfte sie allerdings nicht fahren — Zoe bestand darauf, sie zu begleiten.

Am Flughafen herrschte wie immer geschäftiges Treiben. Helena stellte sich im Ankunftsbereich auf, ein Schild in der Hand, auf dem stand: „Stella Wagner“.

— Vielleicht sollten wir doch gehen? — flüsterte sie im letzten Moment unsicher.

— Kommt gar nicht infrage, — entgegnete Zoe scharf. — Der Plan läuft bereits.

Vierzig Minuten nach der Landung erschien Stella. Groß, schlank, mit langem, blondiertem Haar und einem überheblichen Blick — wie eine jüngere Kopie ihrer Mutter.

— Helena? Wo ist das Auto? Ich bin müde und will nach Hause.

Keine Begrüßung, kein Dank, nicht einmal ein Lächeln.

— Das Auto steht draußen. Komm.

Stella schnaubte verächtlich und musterte Helena von oben bis unten.

— Was hast du denn da an? Billige Kettenmode? Mein Gott, Konrad hätte wirklich eine bessere Frau finden können…

Zoe, die hinter ihnen ging, hob empört eine Augenbraue. Helena presste die Lippen zusammen und schwieg.

Auf dem Parkplatz wartete neben Helenas Wagen ein junger Mann in Chauffeuruniform.

— Guten Abend. Florian Stein. Ich bin heute Ihr Fahrer.

— Was soll dieser Zirkus? — fuhr Stella auf. — Helena, kannst du etwa nicht selbst fahren?

— Doch, — antwortete Helena ruhig. — Aber ich werde es nicht tun. Florian bringt Sie nach Hause. Die Adresse kennt er. Gute Fahrt.

Sie drehte sich um und ging los. Zoe folgte ihr ohne zu zögern.

— HEY! BLEIB STEHEN! — brüllte Stella. — Wohin gehst du? Und was ist mit meinem Gepäck? Willst du mir nicht helfen?

— Sie kommen auch ohne mich zurecht, — warf Helena über die Schulter zurück.

— DAS WERDE ICH MEINER MUTTER ERZÄHLEN! Sie schmeißt dich aus dem Haus!

Helena blieb stehen und drehte sich langsam um.

— Richten Sie Adelaide Koch aus, dass ich ihre Bitte erfüllt habe: Ich war hier und habe Sie abgeholt. Vom Ausladen der Koffer war nie die Rede. Und sagen Sie ihr gleich noch, dass Konrads Geburtstag morgen um Punkt neunzehn Uhr im Restaurant „Marseille“ gefeiert wird. Sollten Sie oder Ihre Mutter dort auftauchen, wird der Sicherheitsdienst Sie nicht einlassen. Die Gästeliste ist abgeschlossen.

— Du… du… — Stella rang nach Luft vor Empörung. — Wer glaubst du eigentlich, wer du bist?

— Ich bin die Ehefrau Ihres Bruders. Ehefrau, nicht Dienstpersonal. — Helena nickte dem Fahrer zu. — Florian, bringen Sie die Dame bitte nach Hause. Hier ist die Adresse, falls nötig. Und lassen Sie sich von ihrem Theater nicht beeindrucken — dafür gibt es kein Trinkgeld extra.

Gemeinsam mit Zoe stieg Helena in das Auto ihrer Freundin. Sie fuhren los und ließen Stella sprachlos mitten auf dem Parkplatz stehen.

— Großartig! — jubelte Zoe. — Du hättest ihr Gesicht sehen sollen!

— Das war erst der Anfang, — seufzte Helena. — Adelaide Koch wird mir das niemals verzeihen.

Keine dreißig Minuten später vibrierte ihr Handy ununterbrochen. Schwiegermutter, Stella, wieder Schwiegermutter. Helena stellte das Telefon stumm und ließ es in ihrer Tasche verschwinden.

Zu Hause erwartete sie die nächste Überraschung: Konrad stand in der Tür — zerzaust, wütend, die Krawatte gelockert.

— Was hast du da angerichtet? Meine Mutter ist völlig fertig, Stella weint! Bist du wahnsinnig geworden?

— Aber… du solltest doch in Dortmund sein, — stammelte Helena irritiert.

— Ich bin gerade zurückgekommen, als meine Mutter angerufen hat! Ich habe ein extrem wichtiges Treffen abgesagt! Verstehst du eigentlich, was du getan hast?

— Ich habe deine Schwester abgeholt und organisiert, dass sie sicher nach Hause kommt. Was ist daran falsch?

— Du hast sie gedemütigt! Einen Chauffeur bestellt, als wäre sie irgendwer!

— UND WAS BIN ICH? — explodierte Helena. — Eine kostenlose Fahrerin? Eine Haushaltshilfe?

— Du bist meine Frau und hast der Familie zu helfen!

— Ich bin deine Frau, nicht die Sklavin deiner Mutter! Und weißt du was? Ich habe genug! Vier Jahre lang habe ich Beleidigungen, Demütigungen und Respektlosigkeit geschluckt! Deine Mutter trampelt auf mir herum, und du tust so, als wäre alles normal!

— Übertreib nicht. Meine Mutter ist einfach… speziell.

— Speziell? SPEZIELL?! Sie hat mich beschimpft, mich Bettlerin, Parasit und Nichtsnutz genannt! Und das war heute etwa das erste Mal?

— Du bist zu emotional. Nimm dir das nicht so zu Herzen.

Helena sah ihn an, als stünde ein Fremder vor ihr.

— Konrad, morgen ist dein Geburtstag. Ich habe ein halbes Jahr lang alles vorbereitet. Ich habe deinen besten Freund aus Kindertagen ausfindig gemacht, zu dem du den Kontakt verloren hattest. Ich habe deinen Lieblingsprofessor von der Uni eingeladen. Ich habe die Torte bestellt…

Fortsetzung des Artikels

LebensKlüber