Als der Hammer schließlich auf das Holz traf, wirkte Andreas wie ein Mann, dem man den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Das Vermögen, das für ihn jahrelang unantastbar gewesen war, lag nun offen und seziert vor allen Augen. Von seiner einstigen Selbstsicherheit blieb nichts übrig; sie zerfiel, als hätte sie nie existiert. Helena stand reglos da und vermied es konsequent, ihn auch nur anzusehen.
Langsam löste sich die Anspannung im Saal, Stühle rückten, gedämpfte Stimmen setzten ein, und die ersten Besucher machten sich auf den Weg nach draußen. In diesem Moment wandte sich Tobias Reinhardt noch einmal zu mir um. Seine Haltung blieb würdevoll, doch in seiner Stimme lag nun ein ungewohnt milder Ton.
„Frau Keller“, sagte er ruhig, „dieser Brief war… außergewöhnlich klar und überzeugend.“
Ich neigte leicht den Kopf.
„Danke, Herr Vorsitzender.“
Vor dem Gerichtsgebäude holte Andreas mich ein. Seine Schritte klangen hastig, beinahe panisch.
„Ingrid, bitte“, begann er und stellte sich mir in den Weg. „Wir müssen darüber reden. Das lässt sich doch noch irgendwie regeln.“
Ich sah ihn an, ohne Zorn, ohne Triumph, einfach mit nüchterner Klarheit. Zum ersten Mal seit langer Zeit spürte ich nichts mehr – weder Enttäuschung noch Schmerz.
„Du hast deine Entscheidung längst getroffen“, erwiderte ich ruhig. „Ich habe nur dafür gesorgt, dass die Wahrheit dich einholt.“
Ohne auf eine Antwort zu warten, ging ich weiter. Keine erhobene Stimme, kein dramatischer Abgang. Gerechtigkeit braucht keine Inszenierung. Sie verlangt Geduld, Konsequenz – und den Mut, den richtigen Moment abzuwarten.
