Im Scheidungstermin saß mein Mann mit übereinandergeschlagenen Beinen da, geschniegelt, selbstzufrieden, als gehöre ihm der Raum.
„An mein Geld kommst du nie wieder“, erklärte er kühl.
Seine Geliebte pflichtete ihm sofort bei, ohne jede Scheu:
„Ganz genau, Schatz.“
Auch seine Mutter verzog die Lippen zu einem spöttischen Lächeln.
„Nach allem hat sie keinen einzigen Cent verdient.“

In diesem Moment öffnete der Richter den Brief, den ich noch vor der Verhandlung eingereicht hatte. Er überflog die Zeilen nur wenige Sekunden – dann blieb er hängen. Und plötzlich lachte er laut auf. Den Kopf leicht geneigt, murmelte er beinahe amüsiert:
„Oh … das wird jetzt interessant.“
Ihre Gesichter verloren augenblicklich die Farbe. Sie hatten keine Ahnung, dass dieses Schreiben ihr kleines Schauspiel bereits beendet hatte.
Der Gerichtssaal wirkte kälter als der frostige Morgen draußen. Ich saß ruhig hinter dem massiven Holztisch, die Hände ordentlich gefaltet, der Blick gelassen. Mir gegenüber breitete sich Andreas Keller in seinem Stuhl aus, die Beine locker gekreuzt, als wäre er der Hausherr. Maßgeschneiderter dunkelblauer Anzug, teure Uhr, dieses träge Grinsen – alles an ihm sollte signalisieren: Dieser Prozess ist entschieden.
Andreas warf mir einen Blick zu und schnaubte leise.
„Du wirst keinen Cent von mir sehen“, sagte er so laut, dass es jeder hören konnte.
Neben ihm saß Helena Vogt – jung, makellos, skrupellos selbstsicher. Sie beugte sich zu ihm und hauchte süßlich:
„Genau so, Liebling. Für dich ist es vorbei.“
Hinter ihnen verschränkte Ingrid Keller die Arme und schüttelte verächtlich den Kopf.
„Nach dieser Farce steht ihr nichts zu“, murmelte sie abfällig.
Niemand bemerkte, dass ich völlig unbewegt blieb. Kein Zucken, kein Widerspruch. Ich wartete einfach.
Richter Tobias Reinhardt rückte seine Brille zurecht und begann, die Akten zu prüfen. Der Anwalt meines Mannes trug selbstbewusst vor, sämtliches Vermögen sei „klar getrennt“: Haus, Firma, Anlagen – alles angeblich vor der Ehe erworben oder geschickt beiseitegeschafft.
Andreas genoss jede Sekunde. Einmal zwinkerte er mir sogar zu, als sei das Ganze ein makabrer Scherz auf seine Kostenlosigkeit.
Dann hielt Richter Reinhardt inne.
„Vor dieser Sitzung ist ein Schreiben eingegangen“, sagte er sachlich. „Verfasst von der Klägerin.“
Andreas runzelte die Stirn.
„Ein Schreiben?“
Helena beugte sich zu ihm und flüsterte irritiert, während der Gerichtsdiener bereits nach dem Umschlag griff.
