«Was du willst, ist mir egal!» — fuhr er sie an und schlug wütend mit der Faust auf den Tisch

Unglaublich ungerecht — trotzdem werde ich frei.
Geschichten

Sie hatten mir nicht nur den Traum genommen.

Sie hatten mir mein ganzes Leben aus den Händen gerissen.

Du hast dir keine Erholung verdient. Bleib zu Hause.
Egoistin.
Es ist kein Geld da.

Raphael Wagners Sätze hallten in meinem Kopf wider, immer wieder, wie ein bösartiges Echo, das sich langsam in schallendes Gelächter verwandelte. Er hatte mir dreist ins Gesicht gelogen, dabei wahrscheinlich schon ausgemalt, wie er Mila Schuberts Rücken mit Sonnencreme einrieb.

Mein Körper begann zu beben. Erst kaum spürbar, dann heftig, als hätte mich hohes Fieber gepackt. Meine Zähne klapperten gegen den Tassenrand, den ich immer noch in der Hand hielt.

Ich rannte ins Bad. Mir wurde übel, und ich übergab mich.

Eiskaltes Wasser ins Gesicht. Hände am Waschbecken. Blick in den Spiegel.

Dort stand eine fremde Frau. Graue Haut. Gerötete, verheulte Augen. Feine Fältchen um den Mund. Eine „alte Tante“.

Und dort — Mila. Jung. Straff. Sorglos.

Natürlich. Wozu brauchte er mich? Mit meinen Sorgen, dem Kredit für die Wohnung, dem Wochenendhaus meiner Mutter. Mit Mila war alles leicht. Mit Mila war jeden Tag Fest.

Und bezahlen durfte dieses Fest — Lena Hartmann.

Ich ging zurück an den Computer. Meine Hände zitterten noch, aber mein Kopf war plötzlich klar. Unangenehm klar. Kühl wie Eis.

Ich machte einen Screenshot. Dann noch einen. Speicherte die Fotos ab.

Anschließend nahm ich ein Bildschirmvideo auf und scrollte durch Milas Profil. Es gab noch mehr Storys: Champagnergläser in der Business Class. Ein Hotelzimmer mit aus Handtüchern gefalteten Schwänen. Raphael, wie er sie lachend auf den Armen ins Meer trug.

Danach öffnete ich das Online-Banking.

Ich überprüfte jedes Konto.

Der Autokredit — der verdammte Geländewagen, auf den er so stolz gewesen war — lief auf meinen Namen. Restschuld: 800.000 €. Er hatte die Raten überwiesen, ja, aber offiziell war ich die Schuldnerin.

Die Baufinanzierung war gemeinsam, er als Hauptkreditnehmer, ich als Mitverpflichtete.

Und die Karte, auf die ich die 200.000 € überwiesen hatte … Kontostand: null. Das Geld war vollständig an das Reisebüro „TezTour“ gegangen.

Ich saß in der dunklen Küche und weinte. Lautlos, mit dem Gesicht in ein Handtuch gedrückt, um die Nachbarn nicht zu wecken.

In mir war etwas zerbrochen. Diese gutgläubige, warme Lena, die an Familie und Liebe geglaubt hatte, existierte nicht mehr.

An ihrer Stelle war jemand anderes entstanden. Kalt. Wütend. Berechnend.

Am Morgen wachte ich als ein neuer Mensch auf.

Die Tränen waren versiegt. Zurück blieb nur eine schwarze, klare Wut. Und der Wunsch nach Vergeltung. Nach Zerstörung.

Während sie dort im Paradies Cocktails schlürften und sich über mich amüsierten — bezahlt von meinem Geld.

Nun gut.

Ich würde ihnen ein Paradies bescheren. Ein solches „Dortmund“, dass sie selbst am Äquator frieren würden.

Raphael hatte eine Kleinigkeit übersehen. Winzig. Aber entscheidend.

Die Generalvollmacht für das Auto.

Vor einem Jahr hatte er sie auf mich ausstellen lassen, bevor er zu einer langen Dienstreise in den Norden aufgebrochen war. Falls du die Versicherung verlängern musst, zur Inspektion fährst oder — wer weiß — das Auto verkaufen musst, wenn dringend Geld gebraucht wird. Drei Jahre Laufzeit. Mit Verkaufsrecht.

Dieses Auto war sein Heiligtum gewesen. Ein schwarzer Toyota Land Cruiser 200. Ein rollender Panzer. Er hatte jedes Staubkorn von ihm gepustet.

Ich zog mich an. Hosenanzug. High Heels. Roter Lippenstift — Milas Schule, aus purer Bosheit.

Ich nahm alle Unterlagen: Fahrzeugbrief (der lag zu Hause), Fahrzeugschein, Vollmacht, beide Autoschlüssel — der Ersatz war ohnehin immer bei mir gewesen.

Dann fuhr ich zum Trade-in-Autohaus, in dem ein ehemaliger Kommilitone von mir arbeitete: Vincent Keller.

— Vincent, hi. Ich muss den Cruiser sofort verkaufen.

Vincent kam heraus, zog an seiner E-Zigarette und pfiff anerkennend, als er das Auto sah.

— Lena! Starkes Teil. Was ist passiert? Weiß Raphael Bescheid? Er vergöttert die Karre doch.

— Raphael … — ich ließ eine kleine, theatralische Pause. — Raphael ist spontan auf die Malediven geflogen. Er braucht dringend Geld. Dort gibt es … Schwierigkeiten. Spielschulden.
Wenn schon lügen, dann richtig.

Vincent riss die Augen auf.

— Krass. Na gut, sowas passiert. Machen wir schnell. Vollmacht?

— Generalvollmacht.

— Der Preis liegt wegen der Eile etwas unter Marktwert. Du weißt ja, wir müssen auch verdienen.

— Ist mir egal. Hauptsache heute. Bar.

— Vier Millionen.

Der Marktpreis hätte bei fünfeinhalb gelegen.

— Einverstanden.

Zwei Stunden später verließ ich das Autohaus mit einer schweren Tasche. Darin: vier Millionen Euro in bar.

Das Gewicht des Geldes zog an meinem Arm. Es war das Gewicht der Vergeltung.

Ich fuhr direkt zur Bank. Beglich den Autokredit vollständig — 800.000 €. Bekam die Bestätigung über die Schuldentilgung.

Die restlichen 3,2 Millionen überwies ich auf mein persönliches Konto unter meinem Geburtsnamen, zu dem Raphael keinerlei Zugriff hatte.

Dann fuhr ich nach Hause.

Ich bestellte ein großes Transporttaxi.

Packte Raphaels Sachen zusammen. Alles. Bis auf die Unterwäsche.

Seine teuren Anzüge. Die Angelruten-Sammlung, die so viel gekostet hatte wie ein Kleinwagen. Die Spielkonsole. Den Laptop. Seine Lieblingstasse.

Alles verschwand in Kartons.

Der Fahrer fragte: „Wohin soll’s gehen?“

— Nordrhein-Westfalen, Dorf Grietz, Leninstraße 1. Zu Ingrid Baumann.

Seine Mutter durfte ihren Sohn empfangen. Er wollte doch immer „frische Luft und Natur“.

Danach rief ich einen Schlüsseldienst.

— Alle Schlösser austauschen. Sofort. Guardian, das teuerste Modell. Und eine Alarmanlage.

— Wurde eingebrochen? — fragte der Monteur mitfühlend.

— Man hat es versucht. Rattenproblem.

Doch das war noch nicht alles.

Die Kirsche auf der Torte.

Ich kannte das Passwort zu seiner E-Mail. Es war simpel gewesen — das Datum meines Geburtstags — und genau dort begann mein nächster Schritt.

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