«Ob meine Mutter mich wirklich liebt oder ob sie sich nur aus Mitleid um mich kümmert» — fragt Jonas mit brüchiger Stimme den Arzt

Wie zerbrechlich und berührend unsere Bindung ist.
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Mit einem angestrengten Lächeln sprach sie weiter und brach dann ab. „Und nachts …“, sie schluckte, „nachts rechne ich. Medikamente, Therapien, Geräte. Ich habe sogar das Klavier meiner Mutter verkauft. Sie wollte mir das Spielen beibringen, doch ich habe es nie gelernt. Er dagegen …“ Claras Stimme bebte. „Er hat schon als Kind Melodien nach Gehör gefunden. Und ich habe es übersehen, verstehen Sie? Arbeit, Termine, immer dieses ‚später‘. Und nun gibt es dieses ‚später‘ vielleicht nie mehr.“

Jonas Bergmann spürte, wie ihm die Augen brannten. Unwillkürlich erinnerte er sich an eine Nacht, in der ihn der Durst geweckt hatte. Leise Schritte, eine halb geschlossene Tür, die Stimme seiner Mutter am Telefon, flüsternd, überzeugt, er schlafe: „Ich weiß nicht weiter. Er hört nichts mehr. Er zieht sich zurück. Ich habe Angst, ihn zu verlieren.“ Damals hatte er nur den Anfang verstanden. Den Rest hatte sein Kopf ergänzt: „… an ihn.“

„Manchmal denke ich“, fuhr Clara fort, „es wäre besser, er lebte bei seinem Vater. Dort gäbe es mehr Geld, mehr Möglichkeiten.“ Sie legte die Hand auf die Brust. „Aber dann hätte mein Morgen keinen Sinn mehr.“

Sie lebte zwischen zwei Ängsten: ihn körperlich zu verlieren – oder ihn innerlich zu verlieren, wenn er glaubt, sie bleibe nur aus Mitleid.

Der Arzt schwieg einen Moment, dann sagte er ruhig: „In einem Punkt täuschen Sie sich. Sie glauben, für ihn zu denken. Und vielleicht ergänzt er Ihre Gedanken genauso. Versuchen Sie, wenigstens manchmal auszusprechen, was Sie wirklich fühlen – nicht das, was man fühlen sollte.“

Jonas biss die Zähne zusammen. Mit jedem Seufzer, jedem Satz löste sich ein Stück des schweren Steins, den er jahrelang in der Brust getragen hatte. Hinter der Mauer seiner Angst stand ihre eigene.

Nach einigen Minuten kam der Arzt zurück. Jonas wischte hastig die Tränen mit dem Ärmel weg. Der Arzt setzte sich ihm gegenüber und fragte leise: „Und, reicht es?“

„Ja“, hauchte Jonas. „Nur … machen Sie bitte noch einen einzigen ‚Fehler‘.“

„Welchen?“

„Sagen Sie ihr die Wahrheit. Aber so, dass sie glaubt, ich würde noch nicht alles hören.“

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