„…zu einer Zeit, in der ich selbst es nicht war“, fügte sie leise hinzu.
Da drehte sie sich endlich um. Ihr Blick war ruhig, aber unnachgiebig. „In dem Moment, in dem ich angefangen habe, mich zu sehr zu kümmern, wurde ich zur Gefahr. Du weißt genauso gut wie ich, weshalb.“
Dominik nickte langsam. „Du hast recht. Ich habe in dir genau das gesehen, wovor man mich jahrelang gewarnt hat. Dafür tut es mir leid.“
Doch Vergebung lag nicht in diesem Augenblick. Noch nicht.
Drei Tage später kehrte Marlene zurück – nicht als Angestellte, sondern durch den Haupteingang. Die Kinder stürmten auf sie zu, als hätten sie die Luft angehalten, seit sie gegangen war.
Kurz darauf formulierte sie ihre Bedingungen. Sie sei keine Haushaltshilfe. Sie treffe Entscheidungen für die Kinder. Verpflichtende Familienberatung. Ein Gehalt, das ihrer Verantwortung entspreche. Und falls er jemals wieder die Stimme gegen sie erhob, würde sie gehen – endgültig.
Dominik stimmte allem zu.
Das Haus wandelte sich spürbar. Gemeinsame Mahlzeiten ersetzten hastige Abende. Gutenachtgeschichten wurden zur Routine. Gefühle bekamen Namen. Dominik lernte, präsent zu bleiben.
Dann kam der Antrag auf Sorgerechtsentzug.
Vorwürfe von Vernachlässigung. Zweifel an der Stabilität. Und am grausamsten: der Tod von Marlenes Tochter wurde als Waffe benutzt.
„Sie werden mich gegen dich ausspielen“, sagte sie gedämpft.
„Dann kämpfen wir gemeinsam“, erwiderte Dominik ohne Zögern.
Im Gerichtssaal versuchten sie, sie zu zerbrechen. Zerrten sie durch die letzten Stunden ihrer Tochter. Unterstellten ihr Gefährlichkeit.
Dominik erhob sich, obwohl er es nicht durfte. „Diese Frau hat meine Kinder gerettet“, sagte er fest. „Und genau dafür bestrafen Sie sie.“
Der Richter bat darum, die Kinder allein zu sprechen.
„Sie gehört zu uns“, sagte Benedikt Arendt schlicht, ohne zu zögern, und sah dem Richter direkt in die Augen.
