Eine unerwartete Szene im eigenen Schlafzimmer
Mit festem Schritt betrat Dominik Heller sein Schlafzimmer. Die Reise steckte ihm noch in den Knochen; der Anzug wirkte zerknittert, seine Haltung angespannt. Ohne ein Wort ließ er die Aktentasche aus der Hand gleiten.
Mitten auf dem Bett lag Marlene Adebayo, die Haushälterin. Um sie herum schliefen – zum ersten Mal seit einem halben Jahr – ihre drei Kinder dicht aneinandergeschmiegt.
Langsam schlug Marlene die Augen auf. Ihr Blick war ruhig, beinahe gefasst, frei von Panik.
„Herr Heller“, sagte sie leise, „ich kann das erklären.“
Doch Dominik schenkte ihr keine Aufmerksamkeit. Seine Gesichtszüge verhärteten sich. „Sie sind entlassen. Packen Sie Ihre Sachen und gehen Sie. Sofort.“

Marlene widersprach nicht. Behutsam löste sie sich aus der Mitte der Kinder, darauf bedacht, keinen von ihnen zu wecken. Sie strich Jasper König sanft die Haare aus der Stirn, zog Noah Winter die Decke höher und flüsterte Benedikt Arendt ein paar beruhigende Worte zu. Dann ging sie an Dominik vorbei, die Schuhe in der Hand, aufrecht und würdevoll.
Unten im Flur blieb Rosa Alvarez stehen, als sie Marlenes Gesicht sah – ruhig, doch von einem feinen Riss durchzogen.
„Es ist alles in Ordnung“, murmelte Marlene. „Lebwohl.“
Die Haustür fiel hinter ihr ins Schloss. Allein trat sie hinaus in die kalte Nacht von Chicago und ließ ihr bisheriges Leben zurück.
Oben an der Treppe stand Dominik und blickte auf seine Kinder. Sie schliefen tief und friedlich. Nach zweiundzwanzig Nannys, Fachärzten und Therapeuten war das Unmögliche geschehen.
Auf dem Bücherregal lag ein gefalteter Zettel.
„Sie baten darum, nicht allein im Dunkeln zu bleiben. Manchmal ist das alles, was ein Kind braucht.“
Dominik hielt den Atem an, während sich in ihm eine leise, unbequeme Erkenntnis zu regen begann.
