«Ihr Sohn Florian ist, was seine geistige Entwicklung betrifft, ungefähr auf dem Stand der dritten Klasse stehen geblieben, und genau deshalb…» — entgegnete Katharina kalt und setzte damit das Verhältnis endgültig aufs Spiel

Diese manipulative Mutter ist abscheulich und erbarmungslos.
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In ihrem Innersten schenkte sie dem älteren Sohn keinen Glauben. Für Brigitte Neumann stand fest, dass Sebastian Kern nichts weiter tat, als seinem jüngeren Bruder den Erfolg zu neiden und ihm bewusst Steine in den Weg zu legen. Von diesem Moment an kühlte das Verhältnis zwischen Mutter und Erstgeborenem spürbar ab; offene Gespräche wurden zur Ausnahme und verschwanden schließlich ganz. Erst viel später erfuhr Sebastian aus dem Mund von Florian Vogt, wie die Dinge tatsächlich gelaufen waren: Brigitte hatte ihrem Liebling tatsächlich zwei Bernhardiner-Welpen gekauft. Doch der großspurige Plan einer eigenen Zucht zerplatzte schneller als gedacht. Mit jedem Monat wuchsen die Hunde – und mit ihnen das Chaos. Bald war unübersehbar, dass solche Kolosse in einer Etagenwohnung nichts verloren hatten. Am Ende gab man die Tiere an Leute mit Haus und Garten ab. Florian musste sich schließlich eingestehen, dass diese imposante Rasse für das Leben zwischen vier Wänden völlig ungeeignet war.

Trotzdem ließ ihn der Traum vom eigenen Geschäft nicht los. Nach dem Debakel mit den Hunden suchte Florian nach einer neuen Idee und entschied sich für einen kleinen Lebensmittelladen. Brigitte Neumann, ihrer Gewohnheit treu, den Jüngsten bedingungslos zu unterstützen, reagierte begeistert:

— Genau so will ich dich sehen, Florian! Gegessen wird immer, Lebensmittel gehen zu jeder Zeit!

Sie griff auf ihre mühsam zurückgelegten Ersparnisse für „schlechte Tage“ zurück, bezahlte die Miete für das Ladenlokal und das Startsortiment. Der erste Monat sah vielversprechend aus: Der Umsatz stimmte, und tatsächlich blieb ein ordentlicher Gewinn übrig. Was Florian jedoch fehlte, war jedes grundlegende Verständnis für Unternehmensführung. Statt den Erlös sinnvoll zu investieren, verprasste er das Geld für Belanglosigkeiten. Nach und nach leerten sich die Regale, für Nachbestellungen fehlten die Mittel, und Brigittes Rücklagen waren aufgebraucht. Selbst das Haus, das sie aus Liebe zu ihrem Sohn zum Verkauf angeboten hatte, fand keinen Käufer. Schließlich blieb Florian nichts anderes übrig, als auch dieses Projekt aufzugeben und die Ladentür endgültig zu schließen.

Nachdem der Jüngste erneut gescheitert war, erinnerte sich Brigitte Neumann plötzlich daran, dass der ältere Sohn über ein solides und verlässliches Einkommen verfügte. Sie stand bei Sebastian vor der Tür und kam ohne Umschweife zur Sache:

— Du weißt doch, mein Lieber, dass Florian und ich gerade in einer sehr schwierigen Lage sind.

Katharina Lorenz konnte sich einen spitzen Kommentar nicht verkneifen:

— Ach ja? Hat der große Unternehmer es nicht geschafft, einen kleinen Laden am Laufen zu halten?

Brigitte musterte ihre Schwiegertochter von oben bis unten mit unverhohlenem Missfallen und fuhr unbeirrt fort:

— Uns fällt es zunehmend schwer, über die Runden zu kommen. Deshalb zähle ich auf deine Unterstützung, Sebastian.

— Von welcher Summe reden wir konkret, Mama? — fragte er nüchtern.

— Ich weiß genau, was ihr verdient, — erwiderte sie selbstsicher. — Florian und ich brauchen monatlich fünfzigtausend Euro. Gerade so viel, dass wir nicht hungern müssen.

Katharina platzte der Kragen:

— Das ist absurd viel, Brigitte Neumann! Wir geben diesen Betrag im Monat selbst aus: Lebensmittel, Nebenkosten, Auto — und vergiss nicht, dass Elisa Kern studiert und wir ihre Gebühren bezahlen. Wäre es nicht vernünftiger, wenn Florian sich endlich eine Arbeit sucht?

— Niemand hat dich nach deiner Meinung gefragt! — schnitt Brigitte ihr das Wort ab. — Ich spreche nicht mit dir und verlange kein Geld von dir. Sebastian, warum lässt du zu, dass sie sich einmischt? Das ist respektlos! Sag ihr, sie soll den Raum verlassen!

— Ganz bestimmt nicht! — konterte Katharina laut. — Soll ich etwa gehen, damit ihr Sebastian ungestört ausnehmen könnt? Ich kenne diese Spielchen: Tränen, Drohungen, plötzlich auftauchende Krankheiten. Wir können euch zwanzigtausend Euro im Monat geben, mehr nicht. Auch wir haben Verpflichtungen. Und Florian täte gut daran, endlich selbst Verantwortung zu übernehmen. Wie lange wollt ihr ihn noch mittragen?

Das Gespräch eskalierte rasch zu einem handfesten Streit. Brigitte fühlte sich in ihrer Verteidigung des bevorzugten Sohnes zutiefst verletzt, während Katharina kompromisslos ihren Mann und ihre Tochter in Schutz nahm. Am Ende trennten sich die beiden Frauen mit harten Worten und bitterem Groll.

Vier Jahre zuvor war Katharina Lorenz die Position der Dekanin angeboten worden. Als Brigitte Neumann davon erfuhr, waren alle Kränkungen augenblicklich vergessen. Mit strahlendem Lächeln und wohlgesetzten Glückwünschen stand sie vor der Tür ihrer Schwiegertochter und rief begeistert:

— Herzlichen Glückwunsch, Katharina! Ich bin so stolz auf deinen Ehrgeiz! Von der Dozentin direkt zur Dekanin — das heißt doch, dass du jetzt eine ganze Fakultät leitest, oder?

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