„Ich bin jemand, der die Wahrheit ausspricht“ — entgegnete Anna gelassen, während Roths Gesicht jede Farbe verlor

Erbarmungslose Verachtung trifft auf überraschend unerschütterlichen Mut.
Geschichten

„Ich weiß es nicht“, sagte ich offen, „aber ich werde es lernen.“

Die ersten Wochen fühlten sich an wie ein Dauersturm. Jede Entscheidung von mir wurde seziert, jede Unterschrift infrage gestellt. Julian Roth stellte mir ständig ein Bein. In einer Sitzung fauchte er quer über den Tisch: „Das hier ist kein Kindergarten, Frau Bergmann!“ Auch die Medien stürzten sich auf mich. Schlagzeilen spotteten: Von der Lehrerin an die Spitze? Das ganze Land lacht.

Nachts weinte ich, oft bis zur Erschöpfung. Morgens stand ich trotzdem wieder im Büro. Ich suchte das Gespräch mit den Leuten aus der Produktion, lernte Karl Brenner kennen, der seit vier Jahrzehnten hier arbeitete, sprach mit Lena Vogt aus dem Sekretariat und sogar mit dem Pförtner. Ich hörte zu. Erst zögerlich, dann immer offener begegneten sie mir, und langsam wuchs Vertrauen.

Eines Abends klopfte Lena Vogt leise an meine Tür.
„Anna … das musst du sehen“, flüsterte sie und schob mir einen Ordner zu.

Darin lagen Rechnungen, Überweisungen, sauber sortiert – Belege dafür, dass Julian Roth und zwei Direktoren seit Jahren Geld abzweigten. Meine Hände zitterten. Mir war klar: Veröffentlichte ich das, explodierte ein Skandal. Schwieg ich, verriet ich mich selbst.

Am nächsten Morgen rief ich den Vorstand zusammen.
„Die Beweise sind vollständig“, sagte ich ruhig. „Sie treten sofort zurück, oder ich gehe zur Polizei.“

Roths Gesicht verlor jede Farbe.
„Was bildest du dir ein? Du bist doch nur eine Lehrerin!“, brüllte er.
„Ich bin jemand, der die Wahrheit ausspricht“, antwortete ich.

Kurz darauf brach alles los, und die Presse beschäftigte sich tagelang ununterbrochen mit meinem Namen.

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