„Ich bin jemand, der die Wahrheit ausspricht“ — entgegnete Anna gelassen, während Roths Gesicht jede Farbe verlor

Erbarmungslose Verachtung trifft auf überraschend unerschütterlichen Mut.
Geschichten

„Willst du allen Ernstes in diesem Aufzug zur Scheidungsverhandlung erscheinen?“ zischte Markus Lehmann, während er die Unterlagen demonstrativ zu seinem Anwalt schob. Seine Stimme schnitt wie Glas, jedes Wort traf mich mit brutaler Präzision. Neben ihm thronte bereits seine neue Partnerin Clara Hoffmann – makelloses Make-up, teures Kostüm, dieser selbstzufriedene Ausdruck, der mir den Boden unter den Füßen wegzog.

„Dann musst du dich wenigstens nicht länger für mich schämen“, entgegnete ich leise. Trotzdem verriet mein Zittern mehr, als mir lieb war. In der kalten Atmosphäre des Gerichtssaals hallte Markus’ spöttisches Lachen ungebremst wider.

„Ich weiß wirklich nicht, was bedauerlicher ist“, setzte er nach. „Dass ich zwölf Jahre meines Lebens an dich verschwendet habe – oder dass du es selbst jetzt noch nicht schaffst, anständig auszusehen.“ Clara beugte sich kichernd zu ihm und flüsterte ihm etwas zu, das beide amüsierte.

Mein Anwalt sah mich an, als hätte er längst aufgegeben. Mit schwerer Hand setzte ich meine Unterschrift unter die Papiere. Zwölf Jahre Ehe wurden auf ein kleines Apartment in Zugló und ein paar hunderttausend Forint reduziert. Als Markus und Clara den Saal verließen, warfen sie mir noch einen letzten Blick zu – darin lag nichts als Hohn und Verachtung.

Ich war überzeugt, dass mein Leben an diesem Punkt endgültig zerbrochen war. Doch genau in diesem Moment vibrierte mein Handy.

Unbekannte Nummer. Kurz zögerte ich, dann nahm ich ab.

„Spreche ich mit Anna Bergmann? Hier ist Dr. Tobias Kern, Rechtsanwalt“, meldete sich eine ruhige Stimme. „Leider muss ich Ihnen eine sehr ernste Mitteilung machen.“

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