…schwer.
— Und Konrad Fuchs?
Die Frage kam gleichgültig daher, beinahe beiläufig. Dorothea Koch zuckte sichtbar zusammen, als hätte man sie unerwartet gestoßen.
— Er ist zurückgekommen. Nach der Scheidung. Ich dachte zuerst, nur für eine Weile, bis er wieder Arbeit findet.
— Und wie war es dann wirklich?
— Er brachte eine Frau mit. Er sagt, sie sei jetzt seine Ehefrau.
Hastig fügte sie hinzu:
— Es gibt keine Papiere. Sie wohnen zusammen, aber offiziell ist nichts.
Johanna Ludwig nickte stumm. Ein überfüllter Bus schob sich lärmend an ihnen vorbei.
— Steigen Sie ein. Ich fahre Sie.
— Das ist wirklich nicht nötig, ich will Ihnen keine Umstände machen …
— Bitte, setzen Sie sich. Es ist kein Problem.
Im Wagen roch es nach neuer Innenausstattung und einem leichten, unaufdringlichen Parfüm. Dorothea Koch nahm vorsichtig auf dem Ledersitz Platz, sah sich unsicher um.
— Gartenstraße, Nummer siebzehn — murmelte sie.
Johanna bestätigte mit einem Kopfnicken. Genau diese Wohnung, in der sie jahrelang an Wochenenden Böden geschrubbt, Suppe gekocht und sich die Vorwürfe der Schwiegermutter angehört hatte, dass „eine gute Ehefrau ihren Mann nicht mit Kleinigkeiten belästigt“.
— Leben sie immer noch dort? — fragte Johanna schließlich.
— Jetzt sind wir zu viert — sagte Dorothea bitter. — Sie hat alles umgestellt, meine Blumen weggeworfen. Staubwischen, sagt sie, sei wichtiger.
Die Ampel sprang auf Rot. Johanna blickte kurz zu den Passanten.
— Und Sie lassen das einfach zu?
— Was bleibt mir anderes übrig? Es ist doch mein Sohn.
— Ein erwachsener Sohn.
— Trotzdem mein Kind — Dorothea presste die Lippen zusammen. — Aber … inzwischen bestimmt er alles. Selbst in meiner eigenen Wohnung koche ich keinen Tee mehr, ohne zu fragen.
Der Wagen setzte sich wieder in Bewegung. Johanna sah nach vorn, hörte jedoch aufmerksam zu.
— Arbeitet er denn?
— Einen Monat nachdem er sie hergebracht hatte, verlor er seinen Job. Der Chef habe einen Vorwand gesucht, sagt er. Jetzt sitzt er zu Hause, hängt am Handy. Und diese Frau verlangt Geld von mir — für Lebensmittel, für Rechnungen.
— Und Sie geben es?
— Meine Rente reicht kaum. Aber soll ich sie auf die Straße setzen?
Johanna schwieg. Vor ihrem inneren Auge tauchten die alten Belehrungen dieser Frau auf: „Man trägt schmutzige Wäsche nicht nach draußen“ und „in schweren Zeiten steht man hinter seinem Mann“ …
— Wissen Sie, was am meisten wehtut? — fuhr Dorothea fort, als wäre etwas in ihr aufgebrochen. — Sie ist jung, hübsch. Ich dachte, wegen ihr würde er sich ändern, endlich Verantwortung übernehmen. Aber nein. Alles wie früher. Er liegt auf dem Sofa und erwartet, dass man ihn bedient.
— Genau wie damals.
— Genau wie damals — bestätigte Dorothea leise.
Sie hielten vor dem vertrauten Hauseingang. Johanna machte keine Anstalten, sofort Abschied zu nehmen.
— Erinnern Sie sich noch, was Sie mir früher über gute Ehefrauen gesagt haben?
— Was habe ich denn gesagt? — fragte Dorothea angespannt.
