„Ich habe die Wohnung auf meine Mutter überschrieben und das Geld meiner Schwester gegeben!“ — lachte der Ehemann höhnisch, während er gleichzeitig das Scheidungsverfahren einleitete

Unfassbar kaltblütig — ein Verrat ohne Reue.
Geschichten

Die Richterin leitete nun zur Frage der Vermögensaufteilung über und sprach mit ruhiger, sachlicher Stimme weiter. Aufgrund der Tatsache, dass ein minderjähriges Kind im Haushalt lebe, werde die gemeinsame Wohnung der Mutter und dem Sohn zugesprochen. Philipp Gross habe das Objekt innerhalb eines Monats zu verlassen.

„Und wohin soll ich gehen?“, fragte er irritiert, fast hilflos.

„Sie können sich an Familienangehörige wenden“, entgegnete die Richterin knapp. „Nach meinem Kenntnisstand verfügt Ihre Mutter über eine eigene Wohnung.“

Damit war das Urteil vollständig verkündet. Die Ehe galt offiziell als aufgelöst. Die Wohnung verblieb bei Clara Schubert und dem Kind. Philipp wurde zur Zahlung von Kindesunterhalt für Jonas Reimann verpflichtet und musste Clara zudem den Schaden ersetzen, der durch die widerrechtliche Weitergabe gemeinschaftlicher Gelder entstanden war. Das während der Ehe erworbene Vermögen wurde formal hälftig geteilt, doch da außer der Wohnung kein nennenswerter Besitz vorhanden war, blieb der wesentliche Vermögenswert bei Clara.

Philipp verließ das Gerichtsgebäude wie betäubt. Von seinem früheren Spott war nichts mehr übrig. Er ging langsam, den Blick gesenkt, als existiere die Welt um ihn herum nicht mehr.

Clara folgte ihm einige Schritte später. Nach außen wirkte sie gefasst, beinahe ruhig. Doch in ihrem Inneren überschlugen sich die Gefühle: Erleichterung, Erschöpfung, stille Genugtuung – alles gleichzeitig.

Am Eingang wartete Helga Brenner auf ihren Sohn. Sie hatte gehofft, er würde mit guten Nachrichten herauskommen, vielleicht sogar triumphierend. Doch sein Gesicht sprach eine andere Sprache.

„Und?“, fragte sie angespannt.

„Die Schenkung wurde für ungültig erklärt“, antwortete Philipp tonlos. „Die Wohnung gehört wieder Clara. Ich muss ausziehen. Und zusätzlich Schadensersatz zahlen.“

„Was für einen Schadensersatz?“ Helga runzelte die Stirn.

„Für das Geld, das ich Marlene Vogt gegeben habe. Das Gericht hat entschieden, dass ich Clara die Hälfte zurückzahlen muss.“

„Dann soll Marlene es eben zurückgeben!“

Philipp schüttelte den Kopf. „Sie weigert sich. Sagt, alles sei bereits ausgegeben. Jetzt ist es offiziell mein Problem.“

Helga presste die Lippen zusammen. Der Plan, der so durchdacht erschienen war, zerfiel innerhalb weniger Minuten in sich selbst.

„Philipp, diese Summe kannst du doch unmöglich einfach zahlen.“

„Ich habe keine Wahl“, erwiderte er müde. „Wenn ich es nicht tue, kommen die Vollstreckungsbeamten. Konten, Pfändungen – alles.“

„Aber du besitzt doch nichts!“

„Genau das ist ja das Problem“, sagte er leise.

Nach einer Weile schlug Helga vor, er könne sich vielleicht Geld leihen.

„Von wem denn?“, fragte er bitter. „Hast du so viel?“

Sie wandte den Blick ab. Es gab Ersparnisse, für schlechte Zeiten zurückgelegt. Doch sie dem Sohn zu geben, damit er seine Exfrau auszahlt, fühlte sich falsch an.

„Philipp, das kann ich nicht“, sagte sie schließlich. „Das ist meine Altersvorsorge.“

Er nickte nur. „Verstehe. Dann bleibt mir nur ein Kredit.“

So nahm Philipp bei der Bank ein Darlehen auf – zu ungünstigen Konditionen, über mehrere Jahre. Es gab keinen anderen Ausweg. Er überwies Clara den festgelegten Betrag, packte seine Sachen zusammen und verließ die Wohnung, die einmal sein Zuhause gewesen war.

Helga nahm ihn bei sich auf. Doch das Zusammenleben gestaltete sich schwierig. Immer wieder machte sie ihm Vorwürfe und schob Clara die Schuld zu.

„Wenn sie nicht so gierig gewesen wäre, stündest du jetzt nicht so da“, sagte sie eines Abends.

„Nein, Mutter“, entgegnete Philipp erschöpft. „Ich allein bin verantwortlich. Ich habe versucht, ihr Wohnung und Geld wegzunehmen. Das Gericht hat nur korrigiert, was falsch war.“

Helga wollte das nicht akzeptieren. Doch Philipp zog sich zunehmend zurück, sprach kaum noch.

Auch Marlene Vogt brach den Kontakt ab. Sie war beleidigt, weil Philipp das Geld zurückverlangt hatte, und sah bei sich keinerlei Schuld.

Die Familie, die Helga so verzweifelt hatte zusammenhalten wollen, zerfiel. Philipp lebte bei seiner Mutter, das Verhältnis war angespannt. Die Schwester war distanziert. Der Enkel blieb bei der ehemaligen Schwiegertochter, und die Treffen zwischen Vater und Sohn fanden nach einem gerichtlich festgelegten Zeitplan statt.

Clara wechselte die Schlösser, legte die Wohnungsschlüssel weg und begann neu. Sie meldete Jonas zu zusätzlichem Mathematikunterricht an, wie sie es lange geplant hatte, renovierte sein Zimmer und richtete ihm einen hellen, gemütlichen Arbeitsplatz ein.

Eines Tages fragte Jonas:

„Mama, warum wohnt Papa nicht mehr bei uns?“

„Papa lebt jetzt woanders“, antwortete Clara ruhig. „Aber du wirst ihn sehen. Am Wochenende zum Beispiel.“

„Haben wir uns gestritten?“

„Nein. Manchmal merken Erwachsene, dass sie nicht mehr zusammenpassen. Aber Papa liebt dich trotzdem.“

Der Junge dachte kurz nach und nickte dann. Kinder fanden sich oft schneller mit Veränderungen ab als Erwachsene.

An einem Dezemberabend saß Clara auf dem Sofa, eine Decke über den Beinen. Draußen fiel leise Schnee. Das Jahr neigte sich dem Ende zu, das erste Weihnachten ohne Ehemann stand bevor. Doch Traurigkeit empfand sie kaum – eher Befreiung.

Sie hatte nicht alles verloren. Im Gegenteil: Sie hatte die Wohnung behalten und die Zukunft ihres Sohnes gesichert. Philipp hingegen blieb mit Schulden, zerrütteten Beziehungen und jahrelangen Kreditraten zurück.

Clara nahm ihr Notizbuch und begann, das kommende Jahr zu planen. Ein Sommerurlaub am Meer mit Jonas stand ganz oben. Sie hatten es sich verdient – beide.

Das Handy vibrierte. Eine Nachricht einer Freundin:

„Und? Ist der Prozess endlich vorbei?“

„Ja. Alles ist abgeschlossen. Die Wohnung gehört uns. Philipp ist ausgezogen.“

„Stark von dir.“

„Ich habe nur für die Wahrheit gekämpft.“

Clara legte das Telefon beiseite und sah nach Jonas. Er schlief fest, den Lieblingsstofftier im Arm, ahnungslos, welche Kämpfe sie für ihre gemeinsame Zukunft ausgefochten hatte.

Am anderen Ende der Stadt saß Philipp in der Wohnung seiner Mutter und starrte an die Decke. Helga schlief bereits. Er dachte darüber nach, wie aus einem scheinbar einfachen Plan ein Desaster geworden war.

Wohnung verloren. Geld verloren. Familie zerbrochen. Den Sohn sah er nur noch stundenweise. Schulden für Jahre. Ein zerrüttetes Verhältnis zur Mutter, Funkstille zur Schwester.

Er hatte Sicherheit gewollt – und stand nun mit leeren Händen da. Die Ironie war bitter.

Clara lebte weiter, schmiedete Pläne, erzog ihren Sohn. Sie hatte verstanden, dass es Gerechtigkeit gab. Manchmal musste man dafür kämpfen. Aber wer standhaft blieb, wurde am Ende belohnt.

Die Wohnungsschlüssel lagen auf der Kommode im Flur. Schlichte Metallschlüssel – und doch bedeuteten sie für Clara den Sieg über Betrug, Manipulation und Unrecht.

Sie löschte das Licht und legte sich schlafen. Morgen würde ein neuer Tag beginnen. Ein neues Leben. Ohne Lügen. Ohne Verrat. Nur sie, ihr Sohn und ihr Zuhause.

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