Ohne mich beim Namen zu nennen oder auch nur eine höfliche Anrede zu benutzen, ließ Katharina fallen, dass Grundstücke in dieser Lage inzwischen „richtig explodiert“ seien.
Ich erwiderte ruhig, fast kühl, dass es sich um mein Zuhause handle und ein Verkauf für mich nicht zur Debatte stehe. Markus lachte verlegen auf, legte beschwichtigend seine Hand auf ihre und spielte die Bemerkung herunter. Natürlich nicht, meinte er, sie habe das doch nicht ernst gemeint. Trotzdem ließ mich das ungute Gefühl nicht mehr los, es setzte sich fest wie ein leiser Druck hinter der Stirn.
Einige Wochen später kam der Moment, in dem sich diese diffuse Ahnung in etwas Greifbares verwandelte. Sonntags gehörte es zu meinem festen Ritual, mit einer Tasse Kaffee die Kontoauszüge zu prüfen. An einem kühlen Oktobermorgen stockte mir der Atem. Auf meinem Sparkonto standen statt der mühsam angesparten 127.000 Euro nur noch 1.200. Das Girokonto war beinahe leer, ganze 53 Euro blinkten mir entgegen.
Mit zitternden Fingern rief ich bei der Bank an. Eine freundliche Mitarbeiterin namens Sabine König erklärte mir sachlich, dass sämtliche Abbuchungen über mein Online-Banking autorisiert worden seien. Das Geld sei auf ein Konto überwiesen worden, das auf den Namen Markus Köhler lief. Zögernd fragte sie, ob es sich dabei um meinen Sohn handle.
Mir versagte die Stimme. Ich beendete das Gespräch abrupt und saß anschließend stundenlang reglos in der Küche, den Blick auf die Wand geheftet. Wie konnte das geschehen sein, und aus welchem Grund hatte er so etwas getan?
Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon. Markus. Ich ließ es erst läuten, nahm dann doch ab. Er begrüßte mich überschwänglich, beinahe ausgelassen, und verkündete stolz, dass er bereits am nächsten Tag heiraten werde. Hastig erklärte er seine überstürzte Entscheidung und sprach von finanzieller Dringlichkeit, ohne zu ahnen, dass sich in mir bereits etwas Unheilvolles zusammenzog.
