„Wenn du diesen Walzer tanzt, wirst du die Frau meines Sohnes …“, spottete der Milliardär — doch in diesem Moment trat eine einfache Servicekraft auf die Tanzfläche.
Der polierte Marmor funkelte im Licht der Kristalllüster und tauchte den weitläufigen Saal der neu eröffneten Falkenberg Tower in Manhattan in warmen Glanz. Es war der exklusivste Ball des Jahres. Über zweihundert Gäste waren erschienen — vermögend, einflussreich und fest davon überzeugt, dass sich das Leben nach ihren Regeln richtete.
Im Zentrum dieser selbstgefälligen Welt bewegte sich Johannes Falkenberg, ein Wirtschaftstycoon, dessen Arroganz kaum geringer war als sein Vermögen. Mit einem Glas Whisky in der Hand schritt er durch die Menge, als gehöre ihm nicht nur der Abend, sondern jeder Mensch im Raum. Jeder Blick, jedes Lachen war sorgfältig inszeniert, um seine Überlegenheit zu demonstrieren.
Zwischen maßgeschneiderten Smokings und glitzernden Abendkleidern ging eine Frau beinahe unter. Clara Neumann, fünfunddreißig Jahre alt, nur für drei Wochen als Aushilfe im Service angestellt. Ihr schlichter schwarzer Arbeitsanzug und ihre zurückhaltenden Bewegungen machten sie nahezu unsichtbar — genau so, wie es von ihr erwartet wurde.
Doch weder das Schicksal noch die Grausamkeit von Johannes Falkenberg hielten sich an Erwartungen.

Ein falscher Schritt, ein leises Einatmen — dann zerschnitt das Klirren von zerbrechendem Porzellan die Musik. Stille breitete sich aus, während Clara auf die Knie sank und mit zitternden Fingern die Scherben aufsammelte. Zweihundert Augenpaare ruhten auf ihr, gespannt, gierig nach dem nächsten Moment.
Da hallte die Stimme von Johannes durch den Saal, triefend vor Hohn:
„Wenn du diesen Walzer tanzt, verheirate ich dich mit meinem Sohn!“
Gelächter brandete auf. Einige Gäste lachten hemmungslos, andere spielten gespielte Empörung, doch niemand wandte den Blick ab. Alle wollten Zeugen dieser Demütigung sein.
Am Rand des Parketts flüsterte Sebastian Falkenberg, achtundzwanzig Jahre alt, fassungslos:
„Vater, hör auf damit. Das ist absurd.“
Doch Johannes, berauscht von Alkohol und Macht, schenkte ihm keine Beachtung. Er trat vor, deutete auf Clara, als stünde sie vor einem Tribunal.
„Dieses Mädchen schafft es nicht einmal, ein Tablett zu halten. Mal sehen, ob sie wenigstens den Takt trifft. Musik! Spielt einen Walzer. Wenn sie besser tanzt als meine Frau, wird Sebastian sie noch heute heiraten. Stellt euch das vor: der Erbe der Falkenberg-Unternehmensgruppe und … eine Bedienung.“
Die Menge brach erneut in Gelächter aus.
Claras Gesicht jedoch zeigte weder Scham noch Angst. In ihren Augen lag eine unerwartete Ruhe, die einige Gäste verunsicherte. Langsam erhob sie sich, strich sich die Hände an der Schürze sauber und begegnete dem Blick von Johannes Falkenberg ohne zu blinzeln.
„Ich nehme an“, sagte sie ruhig.
Ein Raunen ging durch den Saal. Johannes Falkenberg blinzelte, unsicher, ob er sich verhört hatte.
