„Auf ein Konto, auf das du keinen Zugriff hast.“
Helena Koch starrte mich an, als hätte ich ihr gerade den Boden unter den Füßen weggezogen.
„Was hast du getan?“
„Das, was ihr verhindern wolltet“, sagte ich ruhig. „Ich habe mein Geld geschützt, bevor ihr hinter meinem Rücken darüber verfügen konntet.“
Paul Weiß sprang so abrupt auf, dass sein Stuhl nach hinten scharrte.
„Anna, das konntest du doch nicht einfach machen, ohne vorher mit mir zu reden!“
Ich sah ihm direkt in die Augen.
„Sag diesen Satz noch einmal.“
„Was?“
„Wiederhol ihn. Langsam.“
Da begriff er es.
Und schwieg.
Ich zog mein Handy hervor.
„Wollt ihr wissen, warum ich es getan habe?“
Helena wich meinem Blick aus.
Sie wusste es.
Ich sah es ihr sofort an.
Ich entsperrte den Bildschirm, öffnete das Foto und las laut vor:
„Sag Anna auf keinen Fall jetzt schon, dass die Wohnung auf Hannah Meiers Namen laufen wird. Sobald ihr das Geld überwiesen habt, kann sie ohnehin nicht mehr zurück.“
Die Stille danach wirkte beinahe unwirklich.
Hannah sah ihre Mutter fassungslos an.
Paul schloss die Augen.
Helena Koch wurde kreidebleich.
„Du hast unsere Nachrichten durchsucht?“
„Nein“, erwiderte ich. „Deine Nachricht war auf dem Laptop meines Mannes geöffnet. Mitten in meiner Küche.“
„Trotzdem hattest du kein Recht…“
Ich ließ sie nicht ausreden.
„Und ihr hattet das Recht, mir 80.000 Euro wegzunehmen, während ihr mir erzählt habt, ich würde mich an einer gemeinsamen Investition beteiligen?“
„Niemand wollte dich bestehlen!“
„Wie nennst du es dann, wenn man mein Geld unter einem falschen Vorwand nimmt, um davon eine Wohnung auf den Namen einer anderen Person zu kaufen?“
Helena sagte nichts mehr.
Da meldete sich Hannah leise.
„Mama hat gesagt, Anna sei einverstanden.“
Ich wandte mich ihr zu.
Zum ersten Mal an diesem Abend sah sie wirklich verunsichert aus.
„Nein, Hannah. Ich war nicht einverstanden.“
Sie blickte zu Paul.
„Und du?“
Paul blieb stumm.
Mehr Antwort brauchte es nicht.
Ich erhob mich ebenfalls.
„Morgen wird es keine Überweisung geben.“
Plötzlich fand Helena ihre Stimme wieder.
„Dann verlieren wir die Anzahlung!“
Ich hielt inne.
„Welche Anzahlung?“
Wieder breitete sich Schweigen aus.
Und in diesem Moment wusste ich, dass da noch mehr war.
„Welche Anzahlung, Paul?“
Er fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
„Zehntausend Euro.“
Mir zog sich alles in der Brust zusammen.
„Ihr habt bereits zehntausend Euro gezahlt?“
„Mama wollte sie vorstrecken.“
Ich sah zu Helena.
Sie wandte den Blick ab.
„Und hat sie das tatsächlich getan?“
Paul antwortete nicht.
Ich verstand.
„Nein…“
Er holte tief Luft.
„Ich habe es vom gemeinsamen Konto genommen.“
Diesmal spürte ich nicht einmal mehr Wut.
In mir brach einfach etwas entzwei.
Unser gemeinsames Konto war für die Finanzierung der Wohnung gedacht, für Rechnungen, Reparaturen, Renovierungen und den Haushalt.
Nicht dafür, heimlich eine Wohnung für seine Schwester anzuzahlen.
„Zehntausend Euro“, wiederholte ich tonlos.
„Ich wollte es später zurücklegen…“
„Nachdem du dir auch noch meine 80.000 Euro geholt hättest?“
„Anna, so war das nicht.“
„Doch. Genau so war es.“
Helena versuchte, sich einzumischen.
„Paul wollte doch nur seiner Schwester helfen!“
Ich nahm meinen Mantel.
„Dann soll er ihr mit seinem eigenen Geld helfen.“
Paul trat auf mich zu.
„Wohin gehst du?“
Ich sah ihn lange an.
„Nach Hause.“
„Aber wir wohnen doch zusammen.“
„Ja“, sagte ich. „In meiner Wohnung. In der Wohnung, die deine Mutter ohnehin als mein Eigentum abtut und die offenbar als Begründung dafür herhalten soll, dass ihr deiner Schwester von meinem Geld eine Wohnung schenkt.“
Er wurde blass.
Helena machte einen Schritt in meine Richtung.
„Du wirst doch nicht wegen Geld deine Ehe zerstören!“
An der Tür blieb ich stehen.
„Es geht nicht um Geld.“
Ich hob das Handy, das ich noch immer in der Hand hielt.
„Es geht um Lügen.“
Dann sah ich Paul an.
„Morgen früh überweist du die 10.000 Euro zurück auf unser gemeinsames Konto.“
„Das Geld ist nicht mehr da.“
„Dann findest du eine Lösung.“
„Anna…“
„Als du mein Geld nehmen wolltest, hast du auch einen Weg gefunden. Jetzt findest du einen, um es zurückzugeben.“
Ich verließ das Haus.
Paul kam zwei Stunden später nach Hause.
