Sie klemmte ihre Handtasche fest unter den Arm und trug dabei dieses überlegene, beinahe triumphierende Lächeln im Gesicht, das mir längst vertraut war.
In derselben Sekunde begriff ich.
Diese ganze Unterhaltung war nicht allein Jonas’ Einfall gewesen.
Oder jedenfalls nicht ausschließlich.
— Emilia — sagte Sandra in einem Ton, als müsse sie ein ungezogenes Kind beruhigen —, mach daraus bitte keine große Szene. Jonas versucht doch nur, ein bisschen Struktur in eure Finanzen zu bringen.
Ich wandte ihr langsam den Kopf zu.
— Seit wann genau sind meine Geldangelegenheiten Ihr Thema?
Ihre Lippen wurden zu einer schmalen Linie.
— Wenn eine Frau verheiratet ist, kann sie nicht einfach so tun, als hätte ihr Einkommen nichts mit ihrem Mann zu tun.
— Sandra …
— In einer Ehe — unterbrach sie mich, als hätte sie auf diesen Moment gewartet — ist es nun einmal üblich, dass der Mann bei den wichtigen Dingen das letzte Wort hat.
Mein Blick glitt zu Jonas.
Er sah nicht zu mir. Plötzlich fand er die Tischplatte außerordentlich interessant.
Und da setzte sich das Bild zusammen.
Seit Wochen tauchte Sandra beinahe jeden Tag bei uns auf.
Sie saß mit Jonas in der Küche, trank Kaffee und redete auf ihn ein.
Immer wieder hatte ich Sätze von ihr gehört wie: „Heutzutage vergessen Frauen viel zu schnell, wo ihr Platz ist.“ Ich hatte das als altmodisches Gerede abgetan und nicht weiter darauf reagiert.
Das war ein Fehler gewesen.
— Gut — sagte ich schließlich.
Jonas hob sofort den Kopf.
— Gut?
Ohne Hast griff ich nach meiner Handtasche.
Dann holte ich mein Portemonnaie heraus.
Ich zog die Bankkarte hervor.
In Jonas’ Augen blitzte Erleichterung auf.
— Na endlich.
Ich legte die Karte auf den Küchentisch.
Doch in dem Moment, in dem er danach greifen wollte, drückte ich zwei Finger darauf.
— Du möchtest also die Kontrolle über alles übernehmen?
— Irgendwer muss es ja machen.
— Ausgezeichnet.
Ich lächelte ihn an.
— Dann kannst du auch damit anfangen, alles zu bezahlen.
Seine Stirn legte sich in Falten.
— Wie bitte?
Ich nahm mein Handy, entsperrte es und öffnete die App meiner Bank. — Der Kredit für das Haus liegt bei 1.460 Euro im Monat. Davon überweise ich 900.
Sein selbstsicherer Ausdruck fiel in sich zusammen.
— Strom, Internet und Versicherungen kommen zusammen auf ungefähr 430 Euro. Fast 300 davon gehen von meinem Konto ab.
Sandra verschränkte die Arme vor der Brust.
— Das ist doch kein Wettkampf.
— Ich bin noch lange nicht fertig.
Ich sah wieder auf mein Display.
— Für Lebensmittel geben wir im Monat rund 650 Euro aus. An der Kasse wird in den meisten Fällen meine Karte benutzt.
Dann richtete ich den Blick direkt auf Jonas.
— Und der Urlaub im Oktober, den du unbedingt buchen wolltest? Die Anzahlung von 2.400 Euro? Die habe ich bezahlt.
Er sagte nichts.
— Die Reparatur an deinem Auto im Februar? 1.700 Euro. Ebenfalls von meinem Konto.
— Ich habe dir gesagt, dass du das Geld zurückbekommst.
— Gesagt, ja. Bezahlt hast du es nie.
Sandra schaltete sich scharf ein:
— Ihr seid verheiratet! In einer Familie führt man doch keine Liste gegeneinander!
Ich drehte mich zu ihr um.
— Genau das habe ich auch geglaubt. Bis Ihr Sohn beschlossen hat, meine Bankkarte einzufordern, damit er mein Gehalt überwachen kann.
Ihr Gesicht lief dunkelrot an.
Jonas schlug mit der Faust auf den Tisch.
— Jetzt ist Schluss!
Ich blieb vollkommen ruhig.
— Nein. Jetzt beginnt es erst.
Ich zog meine Karte wieder zu mir und steckte sie zurück in mein Portemonnaie.
— Da du dich ab sofort für sämtliche Finanzen zuständig fühlen möchtest, machen wir es ab nächsten Monat ganz einfach: Alles wird exakt zur Hälfte geteilt.
— Emilia …
— Der Immobilienkredit wird geteilt. Auch die laufenden Rechnungen werden geteilt.
