«Kommt ruhig vorbei.» — sagte ich ruhig und packte heimlich Koffer

Diese Entscheidung war schockierend und zugleich befreiend.
Geschichten

…dass es entscheidend sei, gemeinsam zu feiern?

Sebastian Lorenz nickte nur zustimmend.

Über Geld sprach danach niemand mehr. Und natürlich steuerte auch keiner etwas bei.

Am einunddreißigsten Dezember klingelte der Wecker um sechs Uhr. Anderthalb Eimer Kartoffeln, fünf Kilo Hähnchenfleisch, zwei große Schüsseln Hering im Pelzmantel – die Liste schien endlos. Gegen Mittag brannten mir die Hände vom Messergriff, und mein Rücken fühlte sich an, als würde er gleich nachgeben.

Sebastian schaufelte draußen Schnee von den Wegen, unsere Tochter hing konzentriert den Christbaumschmuck auf. Ich blieb zurück mit einem Berg schmutzigen Geschirrs und dem Gedanken, dass in wenigen Stunden zweiundzwanzig Menschen durch diese Tür kommen würden – fast alles Fremde für mich.

Kurz nach sieben läutete es. Ich hatte es nicht einmal geschafft, mich umzuziehen. Helga Brandt rauschte herein, lachte laut, funkelndes Kleid, perfekt frisiert wie frisch aus dem Salon.

„Katharina, wo bleiben die Vorspeisen? Los, schneller, die Gäste warten!“

Ich rannte zwischen Küche und Wohnzimmer hin und her, trug Platten, schenkte nach, wärmte auf, räumte ab. An den Tisch bat mich niemand. Sebastian saß neben seiner Mutter, stieß mit ihr an. Einmal trafen sich unsere Blicke – er sah sofort weg.

Kurz vor Mitternacht ließ ich mich im hinteren Zimmer auf das Sofa sinken. Nur für einen Moment. Doch mein Körper entschied anders: Ich fiel in einen schweren, dumpfen Schlaf, eher Ohnmacht als Ruhe.

Um sechs Uhr morgens wachte ich fröstelnd auf. Im Wohnzimmer lagen Menschen verstreut, einer schnarchte auf dem Teppich. Auf dem Tisch: Essensreste, umgekippte Gläser, dunkle Flecken vom Rotwein. Drei Teller aus dem alten Familienset meines Großvaters lagen zerbrochen am Boden.

Ich stand mitten im Chaos und weinte nicht. Dafür war nichts mehr übrig.

Den ganzen nächsten Tag schrubbte ich, trocknete, schleppte Müll hinaus. Helga Brandt erschien erst gegen Mittag und verlangte Kaffee.

„Und wann geht’s weiter mit dem Fest?“, fragte sie gähnend.

Sebastian schwieg.

Am dritten Januar drückte mir meine Schwiegermutter eine Tüte in die Hand.
„Für dich. Als Dankeschön.“

Darin lag ein Stück billige Seife in zerknittertem Papier, stechender Geruch nach Haushalt.

Ich nahm sie wortlos und nickte.

Ein Jahr verging. Am zweiundzwanzigsten Dezember klingelte wieder das Telefon, und Helga Brandts Stimme klang, als hätte es all das nie gegeben.

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