…bezahlt von ihren letzten Ersparnissen. Dem Geld, das sie eigentlich für einen neuen Wintermantel zurückgelegt hatte.
Sabine Ludwig erschien zum Frühstück in einem seidenen Morgenmantel. Als sie Karoline geschniegelt und geschniegelt sah, verzog sie missbilligend den Mund.
„Warum hast du dich so herausgeputzt? Du stehst heute den ganzen Tag am Herd. Zieh dich um.“
„Ich habe etwas vor“, entgegnete Karoline ruhig, reichte ihr den Umschlag über den Tisch. „Das ist für Sie. Ein Geschenk zum Jubiläum.“
Die Schwiegermutter öffnete den Umschlag, ihre Augen wurden groß.
„Ein Spa-Tag? Karolinchen, wie aufmerksam! Aber heute geht das nicht, ich muss doch den Überblick behalten, die Gäste kommen ja…“
Karoline setzte sich ihr gegenüber und hielt ihrem Blick stand. „Sie möchten doch, dass Marlene Gross Sie strahlen sieht, oder? Stellen Sie sich vor, wie neidisch sie sein wird. Alle werden fragen, woher Sie so frisch aussehen. Um den Tisch kümmere ich mich, darüber müssen Sie sich keine Gedanken machen.“
Es entstand eine kurze Stille. Sabine Ludwigs Finger strichen über den Umschlag. Schließlich siegte die Eitelkeit.
„Na gut… Marlene prahlt ja ständig mit ihrer Kosmetikerin. Felix fährt mich?“
„Natürlich“, sagte Karoline und rief nach ihrem Mann.
Felix Walter kam verschlafen aus dem Schlafzimmer, hörte sich alles an und brummte widerwillig seine Zustimmung. Eine halbe Stunde später waren beide unterwegs. Die Wohnung lag plötzlich still und leer da.
Karoline ging ins Schlafzimmer, holte ein schwarzes Kleid hervor, gestern im Secondhandladen gekauft, dazu hohe Schuhe. Sie rief Ida Böhm an, eine Bekannte, die nebenbei als Visagistin arbeitete. Gegen fünf Uhr war alles perfekt: Frisur, Make-up, das Kleid. Im Spiegel erkannte Karoline sich kaum wieder. Sie wirkte lebendig.
Die Küche betrat sie kein einziges Mal.
Gegen halb sieben trafen die ersten Gäste ein. Stefanie Braun, eine korpulente Frau mit dröhnender Stimme, betrat als Erste das Wohnzimmer und blieb abrupt stehen.
Der Tisch war makellos gedeckt: schneeweiße Tischdecke ohne Falten, Kerzen, Kristallgläser, Besteck für acht Personen. Alles an seinem Platz.
Nur Speisen fehlten.
„Karolinchen, und… wo sind die Häppchen?“, fragte Stefanie Braun irritiert.
„Eine Überraschung“, lächelte Karoline. „Wir warten auf die Gastgeber.“
Nach und nach kamen weitere Gäste: Freundinnen von Sabine Ludwig, Kollegen von Felix. Blumen, Geschenke, festliche Kleidung. Man setzte sich, tauschte Blicke, starrte auf den leeren Tisch. Jemand witzelte über eine neue Diät. Das Lachen klang gezwungen.
Karoline schenkte Mineralwasser ein. Lächelte. Wartete.
Punkt sieben Uhr trafen Felix und seine Mutter ein. Sabine Ludwig schwebte förmlich herein, die Haut frisch nach dem Peeling, das Haar in weichen Wellen, die Nägel perfekt manikürt. Sie legte den Mantel ab und betrat das Wohnzimmer.
Dann blieb sie stehen.
Ein leerer Tisch. Acht Gäste mit ratlosen Gesichtern. Karoline im schwarzen Kleid, ein Glas Wasser in der Hand.
„Was… was soll das?!“, ihre Stimme überschlug sich vor Entsetzen.
