«Ich werde nichts unterschreiben, was mich entrechtet» — sagte Clara kühl und zog eine Mappe mit Kontoauszügen und Rechnungen hervor

Eiskalt verraten, sie bleibt überraschend stark und würdevoll.
Geschichten

…säuselte Sabine Mayer mit ihrer typisch honigsüßen Stimme weiter. „Mach doch kein Theater. Deine Sachen habe ich ordentlich in Kartons verpackt und unten im Keller verstaut. Es ist nichts verschwunden, wirklich nichts. Und was das Geld betrifft … na ja, das bekommst du nach und nach zurück. In Raten. Sobald Thomas wieder richtig auf eigenen Beinen steht.“

„Auf welchen Beinen denn bitte?“ In Clara stieg eine kalte, stechende Wut hoch, die ihr den Atem nahm. „Er arbeitet doch in Ihrer eigenen Firma, bekommt ein festes Gehalt. Wovon reden Sie überhaupt?“

„Erlaube dir keinen solchen Ton“, schnitt Sabine ihr scharf das Wort ab, jede Süße war mit einem Schlag verschwunden. „Du hast drei Jahre lang in der Wohnung meiner verstorbenen Mutter gewohnt. Glaubst du, das wäre umsonst gewesen? Sieh es als Miete. Damit sind wir quitt.“

Dann war die Leitung tot.

Clara blieb noch lange auf den Stufen des Treppenhauses sitzen, bestimmt zehn Minuten, vielleicht mehr. Nachbarn kamen vorbei, grüßten, musterten sie verwundert. Sie reagierte nicht. Ihre Gedanken rasten.

Vor drei Jahren hatte sie Thomas Gross geheiratet, überzeugt davon, einen verlässlichen, ruhigen Mann gefunden zu haben. Kein Feuerwerk, keine großen Worte – dafür Anstand, Bodenständigkeit, Sicherheit. So hatte sie es gesehen. Der einzige Schatten in diesem Bild war seine Mutter gewesen: eine dominante Frau, die ihren Sohn behandelte, als gehöre er ihr allein.

Sabine Mayer tauchte unangekündigt in der gemeinsamen Wohnung auf, rückte Möbel von einem Platz zum anderen, nörgelte an Claras Essen herum, erklärte ungefragt, wie Hemden korrekt zu bügeln seien. Clara schluckte es herunter. Sie lächelte. Sie hoffte, dass mit der Zeit Akzeptanz kommen würde.

Doch Akzeptanz war nie geplant gewesen. Die Schwiegermutter hatte gewartet. Drei Jahre lang hatte sie geduldig ein Netz gesponnen, Satz für Satz, Zweifel für Zweifel, bis sich die Gedanken ihres Sohnes langsam verschoben. Und jetzt, genau in dem Moment, in dem Clara beruflich unterwegs gewesen war, hatte die Spinne zugeschlagen.

Clara erhob sich, klopfte den Staub von ihrem Mantel, zog das Handy aus der Tasche und wählte die Nummer ihrer Freundin.

„Victoria, hi. Kann ich heute bei dir übernachten? Ich erklär dir alles, wenn wir uns sehen.“

Die nächsten drei Tage verliefen für Clara wie ein Feldzug. Sie beauftragte einen Anwalt, trug jede Rechnung zusammen, sammelte Kontoauszüge der letzten Jahre, sichtete Verträge. Dabei erfuhr sie, dass Sabine Mayer rechtlich keineswegs befugt gewesen war, einfach die Schlösser auszutauschen – nicht ohne Zustimmung aller Eigentümer. Und laut Heiratsurkunde und Kreditvertrag zählte auch Clara dazu.

Der Anwalt war ein erfahrener Mann mit müdem Blick, jemand, der offenbar schon alles gesehen hatte.

„Ein Lehrbuchfall“, brummte er, während er die Unterlagen durchging. „Die Mama will den Sohn vor der angeblich falschen Ehefrau retten. So etwas begegnet mir ständig. Aber hier ist sie zu weit gegangen. Der Austausch der Schlösser ohne Ihr Einverständnis ist eine faktische Entziehung des Zugangs zu Ihrem Eigentum. Dafür können wir Anzeige wegen Selbstjustiz erstatten.“

„Und die Wohnung?“ fragte Clara ruhig.

„Die Immobilie fällt in die Ehezeit. Es spielt keine Rolle, dass Ihr Mann sie geerbt hat. Sie haben Geld in den Kredit und in die Renovierung gesteckt. Sie haben Belege?“

„Jeden einzelnen.“

„Dann steht Ihnen im Falle einer Scheidung eine Ausgleichszahlung zu. Und die wird erheblich sein.“

Clara nickte. Scheidung. Das Wort jagte ihr keinen Schrecken mehr ein. Es klang plötzlich wie ein Versprechen. Wie Freiheit.

Am vierten Tag griff sie selbst zum Telefon und rief Thomas an.

„Wir müssen uns treffen. Reden.“

Er stimmte widerwillig zu, offensichtlich nach Rücksprache mit seiner Mutter, die vermutlich jedes Detail der geplanten „Rückabwicklung“ überwachen wollte. Sie einigten sich auf ein Café ganz in der Nähe …

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