„Mach sofort auf! Sonst rufe ich die Feuerwehr, und die sägen dir die Schlösser ohne mit der Wimper zu zucken heraus!“ rief sie und hämmerte gegen die Tür, als ihre jüngere Schwester verschlafen öffnete

Diese unverschämte Respektlosigkeit ist zutiefst empörend.
Geschichten

Er sah erst auf, als ich meinen stärksten Beweis vor ihm ausbreitete.

Am Abend zuvor hatte ich Johanna Vogel angerufen, eine ehemalige Kommilitonin von mir, die inzwischen beim Amt für Wohnungswesen arbeitete. In einem lauten Café am Hauptbahnhof, über zwei bitteren Americano, öffnete sie für mich einen Blick in die interne Datenbank. Und was ich dort entdeckte, brachte mich zum ersten Mal seit Tagen wieder zum Lächeln.

Leon Möller, der offiziell als arbeitslos geführt wurde, hatte nämlich einen Antrag auf einen Landeszuschuss im Programm „Junge Familie“ gestellt: eine Erstattung für Mietkosten. Eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür war ein gültiger Nutzungs- oder Mietvertrag über Wohnraum mit mindestens achtzehn Quadratmetern pro Person. Und dieses Genie hatte ausgerechnet meinen gefälschten Vertrag eingereicht.

Damit war die Sache keine bloße häusliche Schlammschlacht mehr. Das war Betrug im Zusammenhang mit öffentlichen Leistungen. Ein Griff in die Staatskasse. Und wenn es um Haushaltsgelder geht, wird die Justiz bekanntlich deutlich weniger nachsichtig.

Johanna bestätigte mir, dass die Bewilligung für Leon bereits unterschrieben war. Die erste Zahlung, rund 1.200 Euro, sollte noch an diesem Freitag auf seiner Karte landen.

„Na dann, liebe Verwandtschaft“, murmelte ich, als ich aus dem Gebäude des Wohnungsamts in den kalten, feuchten Wind trat. „Ab jetzt spielen wir nach meinen Regeln.“

Am Freitagabend schloss ich die Wohnungstür mit meinem eigenen Schlüssel auf. Diesmal war der Riegel nicht vorgeschoben. Offenbar warteten sie auf den Lieferdienst.

Hinter mir standen drei Personen: Polizeihauptkommissar Thomas Beck mit finsterer Miene, eine Beamtin der Meldebehörde in dunkelblauer Uniform und eine Vertreterin des Wohnungsamts, die eine schwere Ledermappe unter dem Arm trug.

Aus der Küche drangen Lenas helles Lachen und das Klirren von Geschirr. Sie feierten. Auf dem Tisch lag ein leerer Pizzakarton, daneben eine Flasche halbsüßer Wein. Leon saß in meinem Sessel, als gehöre ihm die ganze Wohnung, und hatte die Füße bequem auf den Nachbarstuhl gelegt.

„Ach, Luisa ist auch da!“, rief Lena übertrieben fröhlich und warf theatralisch die Hände in die Luft. Doch als sie die Uniformen bemerkte, erstarrte ihr Gesicht. Der Käsefaden, der von ihrem Pizzastück hing, blieb wie eine schmutzige Schnur in der Luft kleben.

„Herr Leon Möller?“, fragte Thomas Beck und trat so weit vor, dass er fast die ganze Küchentür ausfüllte. „Polizeihauptkommissar Beck. Ihre Ausweispapiere, bitte.“

„Was soll das denn jetzt?“, brachte Leon hervor und wollte aufstehen, doch seine Knie zitterten sichtbar. „Wir sind hier gemeldet, alles ist völlig legal …“

„Sie waren hier gemeldet“, unterbrach ihn die Beamtin der Meldebehörde kühl.

LebensKlüber