„Mach sofort auf! Sonst rufe ich die Feuerwehr, und die sägen dir die Schlösser ohne mit der Wimper zu zucken heraus!“ rief sie und hämmerte gegen die Tür, als ihre jüngere Schwester verschlafen öffnete

Diese unverschämte Respektlosigkeit ist zutiefst empörend.
Geschichten

„Mach sofort auf! Sonst rufe ich die Feuerwehr, und die sägen dir die Schlösser ohne mit der Wimper zu zucken heraus!“ Mit voller Wucht hämmerte ich gegen die mit Kunstleder bezogene Wohnungstür.

Im Schloss drehte sich der Schlüssel nur halb, dann blockierte er dumpf. Gleich darauf klickte innen ein Riegel, den ich selbst niemals vorgeschoben hatte.

Langsam schob sich die Tür nach innen. Auf der Schwelle stand meine jüngere Schwester Lena Krause. Über ihren Schultern hing mein smaragdgrüner Lieblingsmorgenmantel aus echter Seide, den ich mir einst von einer Prämie im KaDeWe gekauft hatte. Der Saum schleifte über den schmutzigen Boden.

„Ach, Luisa, warum machst du denn so einen Lärm?“ Lena gähnte und legte eine Hand auf ihren rund gewordenen Bauch. „Wir schlafen eigentlich noch.“

Ich trat über die Schwelle und setzte den Fuß direkt auf fremde, ausgelatschte Turnschuhe mit aufgerissenen Spitzen. Auf der Kommode im Flur lag ein Haufen Werbemüll, daneben dreckige Schlüssel und eine leere Zigarettenschachtel.

Ausgerechnet in dem Kübel mit meinem geliebten Ficus steckte ein Zigarettenstummel. Ein grauer Aschestreifen verschmierte die gepflegten, glänzenden Blätter. Meine Fingernägel gruben sich schmerzhaft in die Handflächen.

„Lena, zieh sofort meinen Morgenmantel aus, pack deinen Kram zusammen und verschwinde. Ich gebe euch genau zehn Minuten.“

„Na, guten Morgen, Frau Anwältin“, kam es träge aus der Küche.

Im Türrahmen erschien Leon Möller, der Mann meiner Schwester. Er trug nur graue Jersey-Unterhosen und hielt eine beschlagene Bierflasche in der Hand. Auf seiner Schulter prangte ein frischer Kratzer.

„Was wird hier so gebrüllt?“ Leon grinste und nahm einen Schluck direkt aus der Flasche. „Wir sind hier völlig legal. Schon mal was vom Gesetz gehört? Damit kennst du dich doch angeblich aus.“

„Leon, halt den Mund, bevor ich dir die Zähne richte.“ Ich ging so dicht an ihn heran, dass er den Bieratem nicht mehr verbergen konnte. „Raus aus meiner Wohnung. Sofort.“

„Das darfst du gar nicht, Luisa“, jammerte Lena und schob die Unterlippe vor, während sie sich hinter dem breiten Rücken ihres Mannes versteckte. „Leon hat gesagt, deine Dreizimmerwohnung ist riesig, du hockst hier allein herum, und ich bekomme bald ein Kind. Als Familie hat man doch wohl Anspruch auf anständige Verhältnisse.“

„Wir haben ein Papier dafür“, fügte Leon breit grinsend hinzu. „Also atme mal durch, Eigentümerin. Wir bleiben eine ganze Weile.“

Ich ging in mein Schlafzimmer und schloss die Tür ab, genau vor Leons fluchender Nase. Mein Herz schlug mir bis in den Hals.

Mit zitternden Händen klappte ich den Laptop auf, meldete mich im Behördenportal an und starrte auf den Ladekreis, der sich quälend langsam drehte. Schließlich flackerte der Bildschirm.

Unter „Meine Immobilie“ leuchtete eine neue Mitteilung der Meldebehörde auf. Es betraf meine Dreizimmerwohnung.

LebensKlüber