«Ich habe eine Wohnung gemietet. Morgen ziehe ich aus.» — kündigt sie ruhig an und packt ihre Koffer

Seine Selbstsucht war beschämend und unerträglich.
Geschichten

Der Satz hallte noch nach, und es tat ihr sichtbar weh, das einzugestehen.

Sie waren gegangen. Zurück blieb Niklas Wagner, reglos im Zentrum des Wohnzimmers. Auf dem Tisch verlor die Pizza ihre Wärme, die Cola daneben wurde schal, als hätte selbst sie aufgegeben.

Ich erhob mich, nahm den Laptop und trat zu ihm. Mit wenigen Klicks öffnete ich die Tabelle, die ich so lange für mich behalten hatte.

„Sieh genau hin“, sagte ich ruhig. „Neun Jahre. Jeder Beleg ist hier. Sämtliche Rechnungen, die monatlichen Nebenkosten, die immer über mein Konto liefen. Benzin, Lebensmittel, Geschenke für deine Familie, unsere Reisen, sogar deine Krankenversicherung. Alles, was du nie wahrgenommen hast. Und das hier ist die Gesamtsumme.“

Niklas starrte auf den Bildschirm. Die Zahl nahm ihm den Atem.

„Das … das kann nicht stimmen.“

„Doch, genau das ist die Wahrheit“, entgegnete ich. „Du hast mich nicht versorgt, Niklas. Du hast von meinem Geld gelebt und es Ehe genannt. Ich habe dir Bequemlichkeit ermöglicht, während du dir herausgenommen hast, mir Vorträge über Gerechtigkeit zu halten.“

Ich klappte den Laptop zu.

„Ich habe eine Wohnung gemietet. Morgen ziehe ich aus. Den Scheidungsantrag reiche ich nächste Woche ein. Die Wohnung, den Kredit und deine Version von Fairness kannst du behalten. Für mich haben sie keinen Wert mehr.“

„Marlene, warte bitte …“

„Nein“, unterbrach ich ihn. „Du hast bekommen, was du wolltest. Ab jetzt ist jeder für sich verantwortlich.“

Er setzte zu einer Antwort an, doch kein Wort kam über seine Lippen. Er blieb im Wohnzimmer stehen, neben der kalten Pizza, und sah mir zu, wie ich im Schlafzimmer meine Sachen zusammenlegte.

In den Koffer wanderte meine Lieblingspfanne – die, in der ich ihm jahrelang Steaks gebraten hatte. Künftig würde ich nur noch für mich kochen. Dazu meine Kosmetik, Bücher, die Kleider, die ihm stets zu auffällig gewesen waren.

Niklas betrat den Raum kein einziges Mal. Er blieb in der Küche, allein mit seiner „Gerechtigkeit“.

Und mir wurde klar: Freiheit bedeutet, dass sich eine Wohnungstür hinter dir schließt und du dorthin gehst, wo du dein Existenzrecht nicht beweisen musst. Wo dein Einsatz nicht kleingeredet wird. Wo Leben einfach Leben ist. Ohne Forderungen. Ohne Rechtfertigungen.

Mit dem Koffer in der Hand verließ ich die Wohnung. Ich blickte nicht zurück.

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