«Ich habe eine Wohnung gemietet. Morgen ziehe ich aus.» — kündigt sie ruhig an und packt ihre Koffer

Seine Selbstsucht war beschämend und unerträglich.
Geschichten

Drei Pizzakartons lagen dort, daneben mehrere Flaschen Limonade. Ein Stapel dünner Papierservietten. Sonst nichts.

„Was soll das?“, fragte sie leise, doch jedes einzelne Wort traf wie ein Hieb.

Niklas Wagner versuchte, ein entspanntes Lächeln aufzusetzen.

„Mama, wir wollten es heute ganz unkompliziert halten …“

„Wo ist Marlene? Warum sitzt sie nicht mit am Tisch?“

Ich hob den Blick von meinem Buch.

„Ich bin hier, Christina Winter.“

„Geht es dir nicht gut?“ In ihrer Stimme lag etwas Befremdliches. Keine Sorge. Misstrauen.

„Nein. Niklas meinte nur, jeder solle für sich selbst aufkommen. Ihr Sohn ist Ihre Verantwortung – nicht meine.“

Christina Winter setzte sich langsam. Ihr Blick wanderte von den Pizzaschachteln zu ihrem Sohn.

„Dann erklär mir das.“

Niklas begann hastig von Fairness zu reden, von modernen Partnerschaften, davon, dass sein Freund Gabriel Böhm das genauso handhabe. Christina Winter hörte schweigend zu, das Gesicht reglos.

„Du hast also beschlossen, dass sie dich ausnutzt“, sagte sie schließlich kühl. „Du.“

„Ich wollte doch nur Ehrlichkeit …“

„Sei still. Wer hat hier neun Jahre lang die Einkäufe bezahlt? Wer hat jeden Samstag gekocht, während du vor dem Fernseher gesessen hast? Wer hat deinem Vater letztes Jahr die Medikamente besorgt?“

„Na ja, Marlene, aber …“

„Wer hat das Geschenk für meine Schwester zum Geburtstag bezahlt? Wer hat jedes Mal den Tisch gedeckt, damit wir es bequem hatten? Und du? Du kamst herein, hast dich hingesetzt und darauf gewartet, bedient zu werden.“

Niklas wurde aschfahl.

„Mama, was hat das jetzt damit zu tun? Ich zahle doch die Wohnung!“

„Deine Wohnung! Und das hast du ihr neun Jahre lang unter die Nase gerieben, als wäre sie hier nur geduldet!“

Christina Winter erhob sich, griff nach ihrer Handtasche.

„Komm“, sagte sie zu ihrem Mann. „Ich esse diese Pizza nicht. Und ich setze mich nicht an einen Tisch, an dem meine Schwiegertochter erniedrigt wird.“

Dann wandte sie sich noch einmal Niklas zu.

„Schämen solltest du dich. Neun Jahre lang hat sie dieses Zuhause getragen, und du hast das für selbstverständlich gehalten. Ich habe einen geizigen, kleinlichen Mann großgezogen.“

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