«Ich habe eine Wohnung gemietet. Morgen ziehe ich aus.» — kündigt sie ruhig an und packt ihre Koffer

Seine Selbstsucht war beschämend und unerträglich.
Geschichten

…und stellte mir ein Abendessen zusammen, das nur mir gehörte: knuspriges Baguette, dazu eine Flasche trockenen Rotwein. Zu Hause richtete ich alles sorgfältig auf einem Teller an, setzte mich an den Tisch und begann in Ruhe zu essen. Etwa eine halbe Stunde später kam Niklas Wagner zurück, öffnete den Kühlschrank und starrte hinein.

„Und was ist mit mir?“, fragte er schließlich.

„Keine Ahnung“, entgegnete ich gelassen. „Du wolltest doch, dass jeder für sich selbst sorgt.“

Seine Stirn legte sich in Falten. Wortlos griff er nach einer Packung Tiefkühlpelmeni und stellte den Topf auf den Herd. Ich ließ mich davon nicht beirren und genoss jeden Bissen, als wäre es ein kleines Fest.

Eine Woche verging. Niklas lebte von Lieferdiensten und Fertigprodukten. Ich hingegen kochte mir all das, worauf ich jahrelang verzichtet hatte, weil es ihm nie passte: Garnelen, Ofengerichte mit Gemüse, leichte Salate. Jedes Mal, wenn er meine Teller sah, blitzte etwas auf, das sehr nach Neid aussah.

Am Freitagabend platzte es aus ihm heraus.
„Sag mal, findest du das nicht langsam albern? Du könntest doch gleich für zwei kochen.“

„Könnte ich“, antwortete ich ruhig. „Aber ich tue es nicht. Die Regeln kamen von dir.“

„Das war doch nur ein Spruch!“, fauchte er. „Hast du das wirklich so ernst genommen?“

„Ich bin nicht beleidigt“, sagte ich. „Ich habe dir einfach zugestimmt.“

Er schleuderte die Burgerverpackung in den Mülleimer, stürmte aus der Küche und knallte die Tür hinter sich zu.

Der Samstag begann mit einem hektischen Anruf, kaum dass er zur Tür hereinkam.
„Meine Eltern sind in zwei Stunden hier. Du kochst doch, oder?“

Ich saß auf dem Bett, ein Buch aufgeschlagen.
„Nein.“

„Wie bitte? Sie kommen doch jeden Samstag!“

„Genau. Neun Jahre lang stand ich dann stundenlang am Herd. Deine Mutter hat sich kein einziges Mal bedankt. Ab jetzt bist du dran.“

„Du spinnst doch!“

„Überhaupt nicht. Jeder für sich. Deine Eltern, deine Verantwortung.“

Er wurde kreidebleich, drehte sich um und ging. Ich hörte, wie er wütend beim Lieferdienst anrief, mit der Mitarbeiterin stritt und in der Küche Töpfe schepperten ließ.

Als es klingelte, trug ich ein elegantes Kleid, meine Haare waren frisiert, das Make-up dezent. Ich öffnete, begrüßte Christina Winter und meinen Schwiegervater höflich, führte sie ins Wohnzimmer und setzte mich wieder zu meinem Buch.

Christina Winter ging zum Esstisch und blieb abrupt stehen. Auf dem Tisch standen nur wenige Dinge.

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