Als ich nach der Arbeit die Wohnung betrat, streifte ich die Schuhe ab, und noch bevor ich richtig angekommen war, spürte ich: Hier stimmt etwas nicht.
Mitten im Wohnzimmer stand Niklas Wagner. Die Arme vor der Brust verschränkt, der Kiefer angespannt, dieser Blick, der nichts Gutes verhieß.
„Wir müssen reden“, sagte er knapp.
Ich blieb mit der Handtasche in der Luft stehen.
„Ich war heute Abend mit Gabriel Böhm essen“, fuhr er fort, ohne meine Reaktion abzuwarten. „Bei denen läuft alles getrennt. Er zahlt für sich, sie für sich. Fair, ehrlich, erwachsen.“

Langsam hing ich meinen Mantel an den Haken.
„Und was genau soll mir das sagen?“
Er platzte heraus: „Unsere Finanzen sind ungerecht. Ich stemme den riesigen Wohnungskredit jeden Monat, und du gibst dein Geld aus, wie du willst. In einer zivilisierten Welt ist jeder für sich selbst verantwortlich. Getrennt essen, getrennt kleiden, getrennt leben. Ich habe es satt, alle durchzufüttern.“
Ich musterte ihn ruhig. Er rechnete mit Tränen, mit einem Drama. Doch dafür war ich viel zu erschöpft.
„In Ordnung“, sagte ich sachlich. „Ab morgen kümmert sich jeder um sich selbst.“
Niklas blinzelte irritiert.
„Du… stimmst zu?“
„Voll und ganz. Danke, dass du das Thema ansprichst. Es wird Zeit, Struktur reinzubringen.“
Ich ging in die Küche, holte mir einen Salat aus dem Kühlschrank und setzte mich an den Tisch. Niklas blieb einen Moment unschlüssig stehen, dann verschwand er im Schlafzimmer. Ich klappte den Laptop auf.
Gegen zwei Uhr nachts war alles sauber aufgelistet. Neun Jahre Ehe, jede Rechnung aufgehoben. Nebenkosten. Benzin für sein Auto, das er nie selbst bezahlt hatte. Geschenke für seine Eltern. Medikamente für seinen Vater. Lebensmittel – seine geliebten Steaks, teurer Käse. Urlaube, komplett von mir finanziert. Die Summe am Ende sprach für sich.
Am Morgen, während er noch schlief, eröffnete ich ein separates Konto und übertrug das gesamte Guthaben von der gemeinsamen Karte. Ich rief die Hausverwaltung an und ließ die Abrechnungen trennen. Sein Premium-TV-Paket kündigte ich gleich mit.
Am Abend gönnte ich mir Jamón und ein frisches Baguette und machte mich mit ruhigem Gewissen auf den Heimweg.
