„Such dir endlich eine anständige Arbeit, sonst lasse ich mich scheiden!“ — kreischte der arbeitslose Ehemann und zog sich im nächsten Moment feige zu seiner Mutter zurück

Endlich frei von seiner erbärmlichen Selbstsucht.
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— Such dir endlich eine anständige Arbeit, sonst lasse ich mich scheiden! — kreischte der arbeitslose Ehemann und zog sich im nächsten Moment feige zu seiner Mutter zurück.

Lina König zog den Reißverschluss ihrer Sportjacke bis zum Kinn hoch und trat ans Fenster. Draußen wirbelten die Oktoberblätter durch die kühle Morgenluft, legten sich wie ein goldgelber Teppich über die Gehwege. Es war halb sieben. In dreißig Minuten musste sie bereits an ihrem ersten Arbeitsplatz erscheinen, die zweite Schicht begann nach dem Mittagessen.

Die Zweizimmerwohnung im siebten Stock eines Plattenbaus hatte das junge Ehepaar vor zwei Jahren auf Kredit gekauft. Damals hatte alles machbar gewirkt. Konrad Meyer war als Manager in einem Bauunternehmen angestellt gewesen, Lina arbeitete als Administratorin in einem Gesundheitszentrum. Sie hatten Pläne geschmiedet: Renovierung, Kinder, ein ruhiges, glückliches Leben.

Doch die Realität hatte andere Regeln. Im Frühjahr verlor Konrad seine Stelle. Die Firma meldete Insolvenz an, und weder Abfindung noch ausstehenden Lohn erhielten die Angestellten. Lina hatte ihren Mann damals aufgefangen, ihm Mut zugesprochen, versichert, dass sie diese Phase gemeinsam überstehen würden. Um die Ausgaben zu decken, nahm sie abends einen Nebenjob an und putzte Büros in einem Geschäftshaus.

Aus Wochen wurden Monate, aus Monaten ein halbes Jahr. Eine neue Anstellung hatte Konrad noch immer nicht — genauer gesagt: Er hatte kaum ernsthaft danach gesucht. Morgens verließ Lina das Haus zur Arbeit, abends fand sie ihn genauso vor, wie sie ihn zurückgelassen hatte: ausgestreckt auf dem Sofa, den Blick auf den Fernseher geheftet. Die Wohnung verwandelte sich schleichend in ein Chaos. In der Spüle stapelten sich Teller und Töpfe, der Tisch war voller Krümel, getragene Socken lagen quer durch alle Zimmer.

— Konrad, du hättest wenigstens den Staubsauger anschalten können, solange ich weg war — sagte Lina erschöpft und ließ ihre Tasche im Flur fallen.

— Es herrscht Krise, Lina. Es gibt keine vernünftigen Jobs — antwortete er, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen. — Warum sollte ich für ein paar Euro im Lager schuften? Ich habe schließlich einen Abschluss.

Ohne ein weiteres Wort ging Lina in die Küche und begann aufzuräumen. Ihre Hände schmerzten vom ständigen Putzen, der Rücken zog, doch die monatliche Kreditrate war gnadenlos. Der Bank war es gleichgültig, wer in dieser Ehe arbeitete und wer nicht.

Mit dem Beginn des Herbstes wurde die Situation unerträglich. Konrad machte seiner Frau immer häufiger Vorwürfe, als hätte er vergessen, wer das Geld nach Hause brachte.

— Schon wieder zu spät — empfing er sie eines Abends mit verkniffenem Gesicht. — Ich sitze hier den ganzen Tag allein und langweile mich. Dich interessiert offenbar nur noch deine Arbeit.

Fassungslos schlug Lina die Hände aneinander.

— Meinst du das ernst? Ich arbeite zwölf Stunden täglich, damit wir nicht auf der Straße landen! Und du wirfst mir vor, ich hätte keine Zeit für dich?

— Natürlich — zuckte Konrad mit den Schultern. — Eine Ehefrau sollte sich um die Familie kümmern, nicht nur ums Geld. Man könnte zum Beispiel Abendessen kochen. Oder wenigstens ordentlich mit mir reden.

Die Wut stieg Lina ins Gesicht. Sie zog die Augenbrauen zusammen, neigte den Kopf zur Seite und versuchte zu begreifen, was sie da gerade hörte. War es wirklich so weit gekommen, dass Konrad ihr vorwarf, zu viel zu arbeiten?

— Abendessen? — wiederholte sie langsam. — Was hindert dich eigentlich daran, selbst vom Sofa aufzustehen und etwas zuzubereiten? Hände hast du, einen Kopf auch — theoretisch zumindest.

— Fang nicht damit an — knurrte er. — Männer und Frauen haben unterschiedliche Aufgaben. Ich suche Arbeit, das ist ebenfalls Arbeit.

— Du suchst? — Lina warf einen Blick auf den Fernseher, auf dem ein Fußballspiel lief. — Und mit welchem Ergebnis? Wie viele Bewerbungen hast du diese Woche verschickt? Bei wie vielen Vorstellungsgesprächen warst du?

Konrad wandte sich demonstrativ ab und machte klar, dass die Diskussion für ihn beendet war. Solche Szenen spielten sich beinahe jeden Abend ab. Lina spürte, wie nicht nur ihr Körper, sondern auch ihre Seele zunehmend erschöpft war. Sie trug die Verantwortung für zwei Menschen, räumte hinter ihrem Mann her, ließ sich Vorhaltungen gefallen und entschuldigte sich am Ende sogar dafür, dass sie arbeitete.

Am Donnerstagabend riss ihr endgültig der Geduldsfaden. Es war halb elf, als sie nach Hause kam. Die Beine pochten, der Kopf dröhnte vor Müdigkeit. In der Küche erwartete sie ein einziges Desaster: Konrad hatte sich Rührei gemacht, doch offenbar war dabei alles schiefgegangen. Fett spritzte über den Herd, Eierschalen lagen auf dem Boden, und eine schmutzige Pfanne stand in der Spüle neben einem Berg ungewaschenen Geschirrs.

— Konrad! — rief Lina aufgebracht. — Kannst du mir erklären, was das hier soll?

Mürrisch trat er aus dem Zimmer.

— Was ist dein Problem? Ich habe gegessen, das reicht doch. Du kannst morgen abwaschen, es läuft uns nichts davon.

— Morgen? — Lina blieb wie angewurzelt stehen. — Warum nicht heute? Warum nicht gleich nach dem Kochen?

— Weil ich müde bin. Ich war den ganzen Tag zu Hause und habe über unsere Zukunft nachgedacht. Davon bekommt man Kopfschmerzen.

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