«Entweder sie oder ich. Entscheide dich!» — stellte Dorothea ihrem Sohn ein Ultimatum

Diese kaltherzige Kontrolle ist beschämend und unerträglich.
Geschichten

„Diese Frau“ – so nannte die Schwiegermutter sie am liebsten. In drei Jahren hatte sie Marlene kein einziges Mal beim Namen angesprochen. Stattdessen hieß es stets „die da“, „deine Ehefrau“ oder sie wurde gleich völlig ignoriert.

Marlene trat einen Schritt näher, die Stimme vor Anspannung bebend.
— Wissen Sie was, Dorothea Albrecht? Jetzt reicht es mir! Ich habe genug von Ihrer Respektlosigkeit, Ihren Spielchen und Ihren endlosen Theatereinlagen! Wir fahren in den Urlaub – ob es Ihnen passt oder nicht!

Dorotheas Gesicht lief purpurrot an.
— Elias! Hast du das gehört? Sie beleidigt mich, deine eigene Mutter!

— Ich sage nur, wie es ist! — Marlene konnte sich nicht mehr bremsen. — Sie kontrollieren jeden unserer Schritte, rufen uns täglich unzählige Male an, verlangen Rechenschaft darüber, wo wir sind und mit wem! Das ist doch nicht normal!

— Unnormal ist es, wenn ein Sohn seine Mutter vergisst! — fauchte Dorothea. — Wenn eine Ehefrau ihn gegen die eigene Familie aufhetzt!

— Ich hetze niemanden auf! — erwiderte Marlene scharf. — Ich möchte einfach mein eigenes Leben führen!

— Dein eigenes Leben? — Dorothea stieß ein höhnisches Lachen aus. — Und die Wohnung, in der ihr lebt – wem gehört die wohl? Soll ich dich daran erinnern, wer das Geld für die Anzahlung gegeben hat?

Das war ihre schärfste Waffe. Tatsächlich hatte Dorothea ihnen beim Wohnungskauf dreihunderttausend Forint für den Eigenanteil geliehen. Seitdem ließ sie keine Gelegenheit aus, ihnen diese „Großzügigkeit“ unter die Nase zu reiben.

— Wir zahlen Ihnen das Geld jeden Monat zurück! — hielt Marlene dagegen. — Zwanzigtausend Forint, genau wie vereinbart!

— Geld ist das eine, Dankbarkeit etwas völlig anderes! — schnappte Dorothea. — Ein anständiges Mädchen würde die Hilfe der Schwiegermutter zu schätzen wissen, statt sie frech anzufahren!

— Eine anständige Schwiegermutter würde nicht unangemeldet in unsere Wohnung platzen! — konterte Marlene ohne Zögern.

— Das ist die Wohnung meines Sohnes!

— Und auch meine! — Marlene hob das Kinn. — Wir sind verheiratet, falls Sie das vergessen haben!

Dorothea schnaubte verächtlich.
— Verheiratet … wir werden ja sehen, wie lange noch! Elias! — sie wandte sich abrupt an ihren Sohn, der bislang geschwiegen hatte. — Entweder sie oder ich. Entscheide dich!

In der Küche breitete sich eine unheimliche Stille aus. Marlene hielt den Atem an und sah Elias an. Das war der Moment der Wahrheit. Drei Jahre lang hatte sie Dorotheas Ausbrüche ertragen und gehofft, ihr Mann würde endlich klare Grenzen setzen. Jetzt war dieser Augenblick gekommen.

Elias wurde bleich, sein Blick wanderte unsicher zwischen seiner Mutter und seiner Frau hin und her.
— Mama, bitte stell mich nicht vor so ein Ultimatum …

— Doch, genau das tue ich! — unterbrach Dorothea ihn scharf. — Ich ertrage die Unverschämtheit dieser Person nicht länger! Entweder du lässt dich von ihr scheiden oder du kannst mich als Mutter vergessen!

Marlene hatte das Gefühl, ihr Herz rutsche ihr in den Magen. War Dorothea wirklich bereit, so weit zu gehen?

— Mama, das kannst du nicht ernst meinen … — murmelte Elias.

— Und ob ich das ernst meine! — ihre Stimme überschlug sich fast. — Deine Frau respektiert mich nicht, sie ist grob, sie stellt dich gegen mich auf! Das lasse ich mir nicht länger gefallen!

Elias stand zwischen den beiden Frauen wie zwischen Hammer und Amboss. Marlene sah, wie verzweifelt er nach einem Ausweg suchte.

— Lasst uns alle einen Gang runterschalten — sagte er schließlich. — Mama, geh bitte nach Hause, beruhige dich. Wir reden später in Ruhe weiter …

— Nein! — Dorothea stampfte mit dem Fuß auf. — Ich gehe hier nicht weg, bevor ich deine Antwort habe! Für wen entscheidest du dich?

Elias atmete tief durch und sah seine Mutter fest an.
— Mama, ich liebe dich. Du bist meine Mutter, und das wird sich nie ändern. Aber Marlene ist meine Frau. Vor Menschen und vor Gott habe ich ihr die Treue geschworen, und diesen Schwur werde ich nicht brechen.

Dorothea wich zurück, als hätte man ihr ins Gesicht geschlagen.
— Also wählst du sie?

— Ich wähle meine eigene Familie — antwortete Elias ruhig, aber bestimmt. — Und du kannst immer Teil dieser Familie sein, wenn du es willst. Aber du musst meine Frau respektieren. Und unsere Entscheidungen.

— Respektieren? — Dorothea lachte hysterisch. — Wie soll ich dieses … dieses …

— Genug! — Elias erhob die Stimme, was bei ihm äußerst selten vorkam. — Mama, ich bitte dich, geh jetzt. Wenn du dich beruhigt hast, ruf mich an, dann reden wir sachlich.

Dorothea starrte ihn an, als sähe sie ihn zum ersten Mal.
— Ich habe einen undankbaren Sohn großgezogen — zischte sie. — Mein ganzes Leben habe ich für dich geopfert …

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