«Entweder sie oder ich. Entscheide dich!» — stellte Dorothea ihrem Sohn ein Ultimatum

Diese kaltherzige Kontrolle ist beschämend und unerträglich.
Geschichten

— Ich verbiete dir, dorthin zu fahren! — ohne anzuklopfen platzte meine Schwiegermutter in die Wohnung, in der Hand die ausgedruckte Buchungsbestätigung unserer Reise, als wäre sie ein Beweisstück.

— Ich untersage dir diese Fahrt! — Dorothea Albrechts Stimme bebte vor mühsam unterdrückter Wut, während sie förmlich in die Wohnung ihres Sohnes stürmte, als gehöre ihr jeder Quadratmeter.

Marlene Klein erstarrte mitten in der Bewegung. Der Kochtopf hing ihr noch in der Hand, und für einen Moment glaubte sie, sich zu täuschen. Dorothea stand mitten in der Küche, im eleganten Pelzmantel, die Finger fest um ein Blatt Papier gekrallt. Ihr Gesicht war gerötet, die Augen funkelten vor Zorn.

Elias Hartmann sprang vom Tisch auf. Noch Sekunden zuvor hatten sie ruhig zusammen gegessen, nun war die Atmosphäre wie zerschnitten.

— Mama, was ist denn los? Wovon redest du überhaupt?

Dorothea schleuderte das Papier auf den Tisch. Es war eine Bestätigung aus einem Reisebüro: eine zweiwöchige Urlaubsreise in die Türkei, gebucht für zwei Personen.

— Das ist los! Anni Roth aus dem Nachbarhaus hat gesehen, wie du ins Reisebüro gegangen bist! Und sie hat völlig richtig gehandelt, mir das zu sagen. Wie konntest du so etwas tun?

Marlene stellte den Topf langsam auf den Herd zurück und wandte sich ihrer Schwiegermutter zu.

— Dorothea Albrecht, Elias und ich planen diese Reise seit einem halben Jahr. Wo genau liegt das Problem?

Doch Dorothea würdigte sie keines Blickes. Ihr starrer, vorwurfsvoller Blick bohrte sich ausschließlich in ihren Sohn.

— Das Problem ist, dass mein einziger Sohn mich zwei Wochen lang allein lassen will! Es reicht wohl nicht, dass ihr schon getrennt von mir lebt, jetzt verschwindet ihr auch noch sonst wohin!

— Mama, es ist nur ein Urlaub — versuchte Elias beschwichtigend. — Wir sind nach zwei Wochen wieder da.

— Und wenn mir in der Zeit etwas passiert? — Dorothea presste dramatisch die Hand auf die Brust. — Ich bin achtundsechzig! Mein Blutdruck spielt verrückt, die Gelenke schmerzen! Und ihr liegt irgendwo am Strand in der Sonne, während ich hier ganz allein bin …

In Marlene regte sich das altbekannte, stechende Gefühl von Ärger. In drei Ehejahren hatte sie diese angeblichen „Notfälle“ unzählige Male erlebt. Sie traten immer dann auf, wenn sie und Elias etwas planten, das Dorothea nicht einschloss.

— Sie haben ein Telefon — sagte Marlene ruhig. — Wenn irgendetwas ist, können Sie jederzeit anrufen.

Endlich hob Dorothea den Blick. Er war kalt, voller Geringschätzung.

— Mit dir rede ich nicht! Das ist allein deine Schuld! Vor dir ist mein Sohn niemals ohne mich verreist!

— Vor mir war Ihr Sohn fünfundzwanzig — konterte Marlene. — Jetzt ist er zweiunddreißig. Menschen werden erwachsen, gründen Familien und fahren in den Urlaub.

— Belehr mich nicht! — fiel Dorothea ihr ins Wort. — Ich habe meinen Sohn allein großgezogen, ohne Mann! Ich habe mein ganzes Leben ihm gewidmet! Und dann kommt so eine … — sie musterte Marlene von oben bis unten — … und nimmt ihn mir weg!

Elias stellte sich zwischen die beiden Frauen, bemüht, die Situation zu entschärfen.

— Mama, niemand nimmt hier irgendwen weg. Wir möchten uns einfach erholen. Es ist unser erster gemeinsamer Urlaub seit drei Jahren.

— Erholen kann man sich auch hier! — schnappte Dorothea. — Zum Beispiel draußen auf dem Grundstück. Ich könnte auch mitkommen, ein bisschen frische Luft würde mir guttun …

Marlene verdrehte die Augen. Das Grundstück war ein eigenes Kapitel. Jedes Wochenende erwartete Dorothea ihre Anwesenheit: jäten, reparieren, putzen. Und jedes Mal fand sie etwas, um ihre Schwiegertochter zu tadeln — falsch gejätet, das Essen fade, das Geschirr nicht ordentlich gespült.

— Die Reise ist bereits bezahlt — sagte Elias fest. — Wir werden sie nicht absagen.

Dorothea fuchtelte empört mit den Armen.

— Bezahlt? Ohne mich zu fragen? Mich, deine Mutter?

— Und? — Marlene konnte sich nicht länger zurückhalten. — Müssen wir für jeden Schritt eine Genehmigung einholen? Wir sind erwachsene Menschen!

— Elias! — Dorothea ignorierte Marlene demonstrativ. — Lässt du zu, dass sie so mit mir spricht?

Hilflos blickte Elias abwechselnd zu seiner Mutter und zu seiner Frau.

— Mama, Marlene hat recht. Wir haben das Recht, Urlaub zu machen …

— Recht? — Dorothea lachte spöttisch. — Und was ist mit deinen Pflichten deiner Mutter gegenüber? Oder hat diese Frau — sie deutete scharf auf Marlene — dir völlig den Kopf verdreht?

Marlene ballte die Hände zu Fäusten, spürte, wie ihr der Geduldsfaden endgültig riss, und holte tief Luft, bereit, endlich das auszusprechen, was sie viel zu lange für sich behalten hatte.

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